Wenn am kommenden Wochenende das G20-Gipfeltreffen der wichtigsten Länder in Rom stattfinden wird, ist das wohl der Karrierehöhepunkt von Italiens Ministerpräsident Mario Draghi. Inzwischen ist der federführende Gastgeber, obschon erst seit Februar 2021 im Amt, durch das nahende Abtreten von Angela Merkel zum wohl geachtetsten und glaubwürdigsten Politiker Europas geworden. Draghi ist kein zurückhaltender Machtpolitiker, sondern kämpft gegen die Schieflagen und beseitigt Probleme im byzantinischen Steuersystem und in der langsamen Justiz. Und kürzlich wurde «sein» Kandidat zum Bürgermeister von Rom gewählt. Mario Draghi, einst Doktorand bei Nobelpreisträgern der Wirtschaftswissenschaften, hat sich bei Goldman Sachs hochgearbeitet, war Wirtschaftsprofessor und später Aufsichtsrat beim Internationalen Währungsfonds, Privatisierer in Italien mit Rekorderlösen und italienischer Notenbankgouverneur, ehe er geschätzter Präsident der Europäischen Zentralbank wurde. Er erweiterte den Auftrag der EZB mitten in der Eurokrise von 2011/12 mit einem perfekten Gespür für die richtigen Worte: von der Sicherung der Preisstabilität hin zu dem Erhalt der Währungsunion, indem er versicherte, dass die EZB alles tun werde, um den Euro zu verteidigen. Am Gipfel der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer werden mittels der drei Stichworte «People, Planet, Prosperity» Probleme des internationalen Wirtschafts- und Finanzsystems besprochen, aber auch weitere globale Themen wie Klimapolitik, Frauenrechte, Bildungschancen, Migration und Terrorismusbekämpfung koordiniert. Manchmal mag die Zielrichtung unklar sein, und gewiss bleibt die Wirksamkeit der Beschlüsse umstritten. Doch es gibt keine Alternative zum geordneten Dialog. Aufgrund der Corona-Krise im eigenen Land bleibt Vladimir Putin allerdings in Moskau und nimmt per Video teil. Russland verzeichnet aktuell so viele tägliche Todesfälle wie nie zuvor. Auch in China ist die Pandemie noch keinesfalls vorbei. Das sorgt im vierten Quartal für eine vorübergehend abgeschwächte Erholung der Weltwirtschaft. Aber die mittelfristig orientierten Aktienanleger blicken durch diese Delle hindurch. Sie erfreuen sich an angehobenen Umsatzprognosen (Roche, dank Corona-Tests) und überraschend guten Quartalsergebnissen (Nestlé, u.a. dank der margenstarken Gesundheitssparte «Health Science»). Trotz höherer Kosten für Rohstoffe und Engpässen in den Lieferketten verzeichnete der Nestlé-Konzern ein organisches Wachstum von 7.6%. SoftwareOne, ein führender Anbieter von End-to-End-Software mit Cloud-Technologielösungen sowie 65’000 Unternehmenskunden, hat am Kapitalmarkttag überzeugt. Die schnell und profitabel wachsende Gruppe hat in 27 Monaten nach dem IPO im Juni 2019 die cloudbasierte Userzahl von 1.7 Millionen auf 6.7 Millionen erhöhen können. Der Swiss Market Index (SMI) vermochte weiter zuzulegen. Der SMI beendete letzte Woche bei 12’056 Punkten (+12.6% seit Jahresbeginn).
Eine der leidtragenden Firmen durch den globalen Chipmangel ist die Schweizer Unternehmung u-blox. Diese Firma ist Pionierin und führend im Bereich der drahtlosen Kommunikations- und Positionierungstechnologie und erweitert um diese Kernkompetenz herum ständig die Dienstleistungen. Die Auftragslage hat sich seit der Pandemie massiv verbessert, weil der technologische Marktführer einzigartig präzise Lösungen anbieten kann.
Ein anschauliches Beispiel sind die e-Scooter des kalifornischen Startups Bird, die mit Gehwegerkennung in San Diego und Milwaukee erprobt und bald auch schon in Madrid eingeführt werden, bevor der Rollout in über 300 Städten global angestrebt wird. Bird ist führend im Bereich umweltfreundlicher Elektromobilität und bietet in Zusammenarbeit mit u-blox die erste «Smart Sidewalk Protection» Technologie an. Damit soll verhindert werden, dass Mikromobilitätsgeräte auf Trottoirs und Gehwegen benutzt werden. Dürfen solche Fahrzeuge in einer Stadt nicht auf dem Bürgersteig fahren, lässt sich das im hochpräzisen Navigationsmodul einbauen und entsprechend effektiv und effizient steuern.
Im Gegensatz zu den herkömmlichen GPS-Systemen mit cloudbasierten Karten, die mehr als 15 Sekunden brauchen, um zu reagieren, erfolgt die Ortung des e-Scooters von Bird in Echtzeit auf den Zentimeter genau. Wird somit versucht, auf einem «verbotenen» Territorium zu fahren (z.B. in der Fussgängerzone), kommt das Mikromobilitätsgerät innert weniger Meter zum Stillstand. Zugleich wird dem Fahrer ermöglicht, den e-Scooter zurück auf die Fahrbahn oder den Radweg zu führen.
Am 23. November 2021 findet der Kapitalmarkttag von u-blox statt. Dann erfahren wir mehr von diesem innovativen ETH Zürich-Spinoff, das seit dem Börsengang durch den mit besten Branchenkenntnissen ausgestatteten CEO Thomas Seiler geführt wird. U-blox profitiert gewiss vom strukturellen Wachstum in den IoT-Endmärkten. Der Auftragsbestand ist siebenmal höher als noch Mitte 2020. U-blox konnte die Anzahl Kunden gegenüber Anfang 2020 um 45% steigern. Das wird sich mittelfristig auch in den Ergebnissen niederschlagen.
Zugerberg Finanz Anlageforum für institutionelle Anleger
Das Forum richtet sich an institutionelle Anleger, insbesondere Stiftungsräte und Pensionskassenvertreter. Freuen Sie sich auf einen Vormittag mit spannenden Fachreferaten zu aktuellen Themen sowie Podiumsdiskussionen mit Experten und Praxisvertretern.
Datum: Donnerstag, 28. Oktober 2021 Ort: Lüssihof (Lüssiweg 47, 6300 Zug) Zeit: 8.00 bis 12.00 Uhr mit anschliessendem Business Lunch
zur Anmeldung
Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick
Am Dienstag, 18. und Donnerstag, 20. Januar 2022 findet im KKL in Luzern sowie bei uns im Lüssihof in Zug die 28. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblicks statt.
Durch das Programm führen Timo Dainese, Gründer und geschäftsführender Partner, Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Chefökonom und Geschäftsführender Partner der Zugerberg Finanz sowie unser Gastreferent, Erich Gysling, Schweizer Journalist und renommierter Nahost-Experte.
KKL Luzern Dienstag, 18. Januar 2022, 17.30 bis ca. 20.15 Uhr.
Zugerberg Finanz Lüssihof Zug Donnerstag, 20. Januar 2022, 09.30 bis ca. 12.15 Uhr. Donnerstag, 20. Januar 2022, 17.30 bis ca. 20.15 Uhr.
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