Wochenbericht 29/2021

Publikationen

Mitten in einem starken Aufschwung

Die US-Grossbanken haben die Berichtssaison eingeläutet und vermeldeten einen deutlichen Gewinnsprung. Ähnliches wird in Europa erwartet, wobei im Finanzsektor besondere Aufmerksamkeit den Versicherungsergebnissen gilt. Diese Branche wurde letztes Jahr arg gebeutelt und in ihren Finanzangelegenheiten stark eingeschränkt. Die Aufsichtsbehörden werden, jedenfalls angesichts der konstant hohen Solvenzquoten, dieses Jahr wohl kaum mehr eine höhere Dividendenausschüttung und Aktienrückkaufsprogramme verhindern können. Mit anderen Worten: Die Aussichten sind rosig, bei ausgesprochen fairen Bewertungen und einer dicken Kapitaldecke.

Überhaupt unterscheidet sich die gegenwärtige Pandemiebewältigung enorm von der globalen Finanzkrise der Jahre 2008/09. Das von den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern gegründete Financial Stability Board (FSB) hat in der vergangenen Woche einen Bericht zu den vorläufigen Lehren der Pandemie in Bezug auf die Finanzstabilität veröffentlicht. Demnach stelle die Pandemie die erste grosse Herausforderung für das globale Finanzsystem seit der Einführung der G20 Reformen nach der Finanzkrise von 2008 dar. Dank der Reformen sowie der entschlossenen Reaktionen der internationalen Politik habe sich das globale Finanzsystem bislang als widerstandsfähig erwiesen. Als Lehren hob das FSB u.a. die Bedeutung wirksamer Vorkehrungen für das operationelle Risikomanagement sowie die Notwendigkeit einer verbesserten Vorbereitung auf das Krisenmanagement von Finanzinstituten hervor.

Ausgesprochen gelassen hat man die jüngsten Inflationsraten zur Kenntnis genommen. Im Juni fiel die Teuerung in Deutschland auf 2.3%. Eine Inflationsrate von 2% in der mittleren Frist ist als Ziel der Europäischen Zentralbank klar und leicht zu verstehen. Auch die US-Aktienmärkte reagierten recht gelassen auf die leicht höher als erwartet ausgefallenen US-Inflationsdaten: Die Kerninflation für den Monat Juni wurde mit 4.5% gemessen, der Gesamtwert mit 5.4%. Die grosse Automobilnachfrage auch nach Gebrauchtwagen und eine Knappheit an Halbleiterchips für Neuwagen sorgten für deutliche Preisanstiege, ebenso die Preise von Reisedienstleistungen. Klammert man diese Faktoren aus, zeichnet sich auch für die USA eine bescheidene Preissteigerung ab.

Partners Group hat die Prognose für ihre Neugeldzunahme für dieses Jahr erhöht, was auf einen neuen Rekord zuläuft. Der Industriezulieferer Bossard hat das beste Semesterergebnis der Unternehmensgeschichte präsentiert. Der Uhren- und Schmuckkonzern Swatch hat wie Richemont überzeugende Zahlen von Januar bis Juni rapportiert. Der Umsatz von Swatch dürfte über jenem vom Vorkrisenjahr 2019 zu liegen kommen, die Aktie liegt dagegen immer noch deutlich tiefer. Vor einem rekordverdächtigen Jahr steht auch Nestlé. Im Vorfeld von zuversichtlichen Berichten erreichten die Genussscheine von Roche ihr Allzeithoch. Der Swiss Market Index (SMI) beendete die Woche zum zweiten Mal in Folge leicht höher bei 12’026 Punkten (+0.3% gegenüber der Vorwoche).

Thema der Woche: Der Blick aufs Jahr 2022

Bei der Berichterstattung zum ersten Halbjahr 2021 liegt das Interesse bei den zukunftsbezogenen Aussagen. Die Vergleiche vom zweiten Quartal 2021 mit dem Vorjahresquartal mitten in der schlimmsten Pandemiephase lassen wenig Interpretationen zu. Viel stärker ist nun der Blick aufs kommende Jahr ausgerichtet. Entsprechend wird nach verlässlichen Informationen über den Ausblick ins 2022/23 gelechzt.

Bis Ende August werden fast alle Unternehmen aus dem Stoxx Europe 600 Index über das erste Halbjahr berichtet haben, auch die über dreissig Schweizer Unternehmen, die im Index enthalten sind. Im zweiten Quartal sind die ganzjährigen Gewinnprognosen für das Jahr 2021 um 8% erhöht worden. Inzwischen werden für das Gesamtjahr 47% höhere Gewinne als 2020 erwartet. Allein die Prognosen für das zweite Quartal haben um 17% zugenommen.

Doch um die gegenwärtigen Bewertungen zu rechtfertigen, muss der Blick weiter in die Zukunft gerichtet werden. Die Gewinnentwicklung soll sich im Jahr 2022/23 fortsetzen. Derzeit sind die konjunkturellen Aussichten für Europa im Jahr 2022 nach wie vor deutlich besser als für das Jahr 2021. Die Gefahr einer (moderaten) Überhitzung besteht, weil geld- und fiskalpolitisch die Konjunktur befeuert wird, die nachfragebedingt auf dem besten Weg ist, die Lücke zum Output-Potenzial zu schliessen.

Vereinzelt sind auch schon zu hohe Erwartungen geschürt worden. Der Aktienkurs des DAX-Unternehmens Siemens Energy stürzte letzte Woche 13% ab, weil sich im Geschäft mit Windparks zu Land viel Bürgerwiderstand aufgebaut hat. Dieser lässt die notwendigen Investitionen in die Energiewende nur verzögert zu. Von einem Taucher kann sich eine zukunftsträchtige Aktie aber auch wieder verhältnismässig rasch erholen. Wir haben die Position in SAP erhöht, als sie im vergangenen Herbst zwischenzeitlich auf unter 100 Euro fiel. Nun liegt der Aktienkurs bereits wieder über 125 Euro.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

20. Juli 2021 Vereinigtes Königreich: Hauspreisentwicklung Juli
21. Juli 2021 Eurozone: ECB Lending Survey (Bankkreditvergabepraxis) Juli
22. Juli 2021 Eurozone: Juli Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB)
23. Juli 2021 Eurozone / USA: Markit Einkaufsmanager Gesamtindex Juli

Nachrichten

Zugerberg Finanz Wandertag August 2021

Am Freitag, 20. August 2021 (Verschiebedatum Do, 26. August 2021) findet die 13. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wandertags statt. Nach mehr als einem Jahr freuen wir uns sehr darauf, gemeinsam mit Ihnen auf unserem schönen Hausberg zu wandern. Die Gesamtlänge der Wanderung beträgt rund 17 Kilometer mit einer reinen Wanderzeit von knapp 5 Stunden. Sie ist daher nur für geübte Wanderer mit entsprechender Kondition geeignet. Den krönenden Abschluss bildet ein Apéro im Park des Lüssihofs.

zur Anmeldung


Zugerberg Finanz KidsDay 2021

Am Mittwoch, 18. August 2021 findet die 7. Ausgabe des Zugerberg Finanz KidsDay in Steinhausen statt. Für diesen Plausch-Fussballnachmittag können sich Kinder der Jahrgänge 2009–2015 anmelden. Austragungsort ist die Sportanlage Eschfeld in Steinhausen. Gekickt wird zwischen 13.00 und 17.00 Uhr. Gerne können Sie Ihr/e Kind/er über nachfolgenden Link anmelden.

zur Anmeldung


Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick Juni 2021

Aufgrund der aktuellen Covid-19 Situation haben wir unseren Wirtschafts- und Börsenausblick Juni 2021 «virtuell» durchgeführt. Werfen Sie einen exklusiven Blick hinter die Kulissen. Gerne nehmen wir Ihre Anmeldung entgegen und stellen Ihnen anschliessend den Link zum Video per E-Mail zu.

zur Anmeldung

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.20
SMI 12'026.5 +12.4%
SPI 15'460.3 +16.0%
DAX € 15'540.3 +13.3%
Euro Stoxx 50 € 4'035.8 +13.6%
S&P 500 $ 4'327.2 +15.2%
Dow Jones $ 34'687.9 +13.3%
Nasdaq $ 14'427.2 +11.9%
MSCI EM $ 1'340.1 +3.8%
MSCI World $ 3'024.7 +12.4%
Obligationenmärkte Seit 31.12.20
SBI Dom Gov TR 233.1 –3.0%
SBI Dom Non-Gov TR 120.4 +0.4%
Immobilienmärkte Seit 31.12.20
SXI RE Funds 519.9 +7.5%
SXI RE Shares 3'289.2 +7.7%
Rohstoffe Seit 31.12.20
Öl (WTI; $/Bbl.) 71.8 +48.0%
Gold (CHF/kg) 53'561.9 –0.9%
Wechselkurse Seit 31.12.20
EUR/CHF 1.0856 +0.4%
USD/CHF 0.9194 +3.9%
EUR/USD 1.1806 –3.4%
Kurzfristige Zinsen
3M Progn. 3M Progn. 12M
CHF –0.76 −0.8 - −0.6 −0.8 - −0.6
EUR –0.56 −0.6 - −0.5 -0.5 - -0.3
USD +0.13 0.0 - +0.3 0.0 - +0.3
Langfristige Zinsen
10 Jahre Progn. 3M Progn. 12M
CHF –0.30 −0.2 - 0.0 −0.2 - +0.1
EUR –0.39 −0.2 - 0.0 0.0 - +0.2
USD +1.29 +1.2 - +1.5 +1.6 - +1.9
Teuerung
2021P 2022P 2023P
Schweiz 50.0% 120.0% 100.0%
Euroland 170.0% 150.0% 150.0%
USA 350.0% 250.0% 220.0%
Wirtschaft (BIP real)
2021P 2022P 2023P
Schweiz 350.0% 300.0% 180.0%
Euroland 440.0% 460.0% 220.0%
USA 680.0% 400.0% 250.0%
Global 620.0% 470.0% 380.0%
Zurück zu News