Wochenbericht 26/2021

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Start ins 3. Quartal mit starker Konjunktur

Das dritte Quartal wird Europa in den heftigsten Boom seit Jahrzehnten führen. Ein Automobilzulieferer, dessen Anleihen wir im Obligationenportfolio halten, berichtete uns gegenüber davon, dass er noch nie einen derart starken Abruf von Teilen gesehen habe. Aufgrund der Unterbrüche bei den Lieferketten (durch den vorübergehend geschlossenen Suezkanal, durch Halbleiterchipmangel, durch Covid-Ausbrüche in asiatischen Zulieferbetrieben usw.) kam es im 2. Quartal in Europas Industrie immer wieder zu Unterbrüchen. Ganze Werke wurden teils wochenlang stillgelegt, doch die Auftragsbücher füllten sich dennoch.

Nun beginnt die Zeit des «Abarbeitens». Die Sommerpause wird zur heissen Produktionsphase. Vielerorts wird zum Drei-Schicht-Betrieb übergegangen, mancherorts an sechs Tagen, in gewissen Branchen an sieben Tagen, um aufzuholen. Die Nachfrage nach langlebigen Konsumgütern entwickelt sich äusserst erfreulich. Weil sich die Arbeitsmarktperspektiven dermassen aufgehellt haben, steigt parallel dazu das Konsumentenvertrauen.

Zweifelsohne haben die globalen Lieferengpässe das Bruttoinlandprodukt (BIP) in den ersten beiden Quartalen gebremst. Umso stärker fällt nun der Aufholeffekt im dritten und vierten Quartal aus. Mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognosen für die Schweiz, für Deutschland und für ganz Europa für das Gesamtjahr angehoben. Für die Expertengruppe des Bundesrates zeichnet sich «eine schwungvolle Erholung» ab. Sie erhöht ihre BIP Prognose für 2021 auf +3.6%. 2022 sollte die Schweizer Wirtschaft ebenfalls deutlich überdurchschnittlich wachsen. Bei den Unternehmen sei mit einer Ausweitung der Investitionen und der Personalbestände zu rechnen. Die Kurzarbeit sollte sukzessive abgebaut werden, die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen.

Aus Sicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erholt sich die deutsche Wirtschaft ebenfalls schneller als erwartet. Für dieses Jahr rechnen die Ökonomen mit einem BIP Wachstum von 3.2% und von 4.3% im nächsten Jahr. «Die deutsche Wirtschaft wird voraussichtlich einen guten Sommer erleben», sagte DIW-Chef Marcel Fratzscher. Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung zeigte sich optimistischer und erhöhte seine Wachstumserwartungen für das laufende Jahr auf 3.7%, für 2022 gar auf 4.7%. Noch positiver sind die jüngsten Prognosen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Überall ist klar, dass die Konjunktur in Europa wieder Fahrt aufnimmt, im industriellen Zentrum genauso wie in den peripheren Gebieten.

In diesem Umfeld hat der Swiss Market Index (SMI) die vergangene Woche wieder die Schwelle von 12’000 Punkten erreicht. Das sind 5.6% mehr als zu Monatsbeginn. Auf der Ebene einzelner Aktienkurse sind die erhöhten Wachstumsprognosen verschiedentlich noch nicht eingepreist.

Thema der Woche: Der Ausblick wird entscheidend sein

Im Laufe dieser Woche beginnen die ersten Branchenverbände und Unternehmen, über die Halbjahresumsätze zu berichten. Manchenorts sind es die Umsatzzahlen, auf die wir achten (z.B. beim Verbindungstechniker Bossard am 14.7.). Beim Flughafen Zürich geht es primär um die Entwicklung der aktuellen Verkehrszahlen (12.7.). Dagegen stehen beim Privatmarktanbieter Partners Group die verwalteten Vermögen (15.7.) im Vordergrund, bei diversen weiteren Unternehmen die Halbjahresergebnisse.

Es wird nicht wenige Unternehmen geben, die bislang zu konservative Einschätzungen vermittelt haben. Sie werden ihre Prognose für das laufende Jahr erhöhen müssen, und zwar nicht erst, wenn das Halbjahresergebnis nach gewohntem Schema mit einigen Wochen Verzögerung rapportiert wird. Der Technologiekonzern Siemens hat seit Ende Dezember die Jahresprognose für 2021 bereits dreimal angehoben.

Damit alle interessierten Marktteilnehmer auf denselben Informationsstand gebracht werden, sind sogenannte «ad hoc Mitteilungen» erforderlich. Zeichnet sich beispielsweise ein Halbjahresergebnis ab, das deutlich über den bisherigen Erwartungen liegt, kommen für die Unternehmenslenker die per 1. Juli verschärften Publizitätsvorschriften der SIX Swiss Exchange zur Geltung: Ereignisse, die den Kurs einer Aktie über die handelsüblichen Schwankungen hinaus verändern könnten, sind von börsenkotierten Unternehmen sofort, klar und vollständig zu kommunizieren. Es darf nicht mehr bis zum kalendarisch festgelegten Berichtstermin zugewartet werden.

Entscheidend in der Halbjahres-Berichtssaison wird weniger der Blick in den Rückspiegel sein, sondern der Ausblick auf die kommenden Quartale. Zahlreiche Unternehmen litten unter erschwerten Warenbewirtschaftungs- und Servicebedingungen im pandemiegeprägten ersten Semester. Einem Retailunternehmen wie Valora fehlte schlicht und einfach ein wesentlicher Teil der Kundschaft (v.a. Studierende und solche, die unter den Home Office Bestimmungen von zuhause gearbeitet haben). Umso spannender werden die zukunftsbezogenen Aussagen. In grossen Teilen Europas wird mit dem Beginn September das Ende von Home Office eingeläutet. «Back to School» und «Back to Office» werden zwei starke Treiber sein, welche den Alltag wieder verändern werden.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

29. Juni 2021 Eurozone / USA: Wirtschaftsstimmung Juni / Konsumentenvertrauen Juni
30. Juni 2021 Eurozone / Schweiz: (Kern-)Inflation Juni / KOF Konjunkturbarometer Juni
1. Juli 2021 China / USA: Caixin Einkaufsmanager Juni und ISM Einkaufsmanager Juni
2. Juli 2021 USA: Beschäftigungsentwicklung, Arbeitslosenquote und Stundenlöhne Juni

Nachrichten

Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick Juni 2021

Die Videoaufzeichnung unseres Wirtschafts- und Börsenausblicks Juni 2021 sind abgeschlossen. Werfen Sie vorab einen exklusiven Blick hinter die Kulissen. Gerne nehmen wir Ihre Anmeldung entgegen und stellen Ihnen anschliessend den Link zum Video per E-Mail zu.

Im Video können Sie folgende drei Referate sehen:
– Rück- und Ausblick Zugerberg Finanz AG (Timo Dainese, CEO)
– Rück- und Ausblick Wirtschaft und Kapitalmärkte (Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Chefökonom)
– Sonderthema «Dekarbonisierung der Welt» (Prof. em. Dr. Dr. h.c. Christian Körner, Dozent für Environmental Sciences Plant Ecology and Evolution an der Universität Basel und weltweit anerkannter CO2 Experte)

zur Anmeldung


Zugerberg Finanz KidsDay 2021

Am Mittwoch, 18. August 2021 findet in Zusammenarbeit mit der Stiftung Next Sport Generation die 7. Ausgabe des Zugerberg Finanz KidsDay in Steinhausen statt. Für diesen Plausch-Fussballnachmittag können sich Kinder der Jahrgänge 2009-2015 anmelden. Austragungsort ist die Sportanlage Eschfeld in Steinhausen. Gekickt wird zwischen 13.00 und 17.00 Uhr.

Jedes Kind erhält ein Starter-Paket mit Fussballtrikot, Trinkflasche, Imbiss-Bon und weiteren Extras. Getränke und gesunde Snacks stehen den Kindern à discrétion zur Verfügung. Gerne können Sie Ihr/e Kind/er über nachfolgenden Link anmelden.

zur Anmeldung

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.20
SMI 11'999.7 +12.1%
SPI 15'420.5 +15.7%
DAX € 15'608.0 +13.8%
Euro Stoxx 50 € 4'120.7 +16.0%
S&P 500 $ 4'280.7 +14.0%
Dow Jones $ 34'433.8 +12.5%
Nasdaq $ 14'360.4 +11.4%
MSCI EM $ 1'379.6 +6.8%
MSCI World $ 3'024.9 +12.4%
Obligationenmärkte Seit 31.12.20
SBI Dom Gov TR 229.1 –4.7%
SBI Dom Non-Gov TR 120.0 +0.0%
Immobilienmärkte Seit 31.12.20
SXI RE Funds 516.6 +6.9%
SXI RE Shares 3'217.3 +5.3%
Rohstoffe Seit 31.12.20
Öl (WTI; $/Bbl.) 74.3 +53.0%
Gold (CHF/kg) 52'536.6 –2.8%
Wechselkurse Seit 31.12.20
EUR/CHF 1.0945 +1.2%
USD/CHF 0.9173 +3.6%
EUR/USD 1.1935 –2.3%
Kurzfristige Zinsen
3M Progn. 3M Progn. 12M
CHF –0.75 −0.8 - −0.6 −0.8 - −0.6
EUR –0.55 −0.6 - −0.5 −0.6 - −0.4
USD +0.15 0.0 - +0.3 0.0 - +0.3
Langfristige Zinsen
10 Jahre Progn. 3M Progn. 12M
CHF –0.18 −0.6 - −0.4 −0.3 - −0.1
EUR –0.20 −0.6 - −0.3 −0.2 - +0.2
USD +1.52 +1.2 - +1.4 +1.4 - +1.6
Teuerung
2021P 2022P 2023P
Schweiz 50.0% 120.0% 120.0%
Euroland 100.0% 150.0% 200.0%
USA 160.0% 240.0% 250.0%
Wirtschaft (BIP real)
2021P 2022P 2023P
Schweiz 500.0% 200.0% 180.0%
Euroland 600.0% 260.0% 180.0%
USA 300.0% 200.0% 220.0%
Global 540.0% 350.0% 350.0%
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