Wochenbericht 17/2021

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Die Dividendenerträge nicht vergessen

Gerne träumt man vielleicht vom schnellen Aktiengewinn. Der langfristige Anleger erfreut sich dagegen an der Gesamtrendite. Letztere besteht gerade in der Schweiz hauptsächlich aus der Dividendenausschüttung und nur zu einem geringeren Teil aus der Kursentwicklung. Beispielhaft lässt sich das an der Veränderung des Swiss Market Index (SMI) in der vergangenen Woche erklären. Auf den ersten Blick fiel der SMI in der vergangenen Woche auf 11’211 Punkte zurück (-0.55%). Aber berücksichtigt man die Dividendenausschüttungen der letzten Woche (Nestlé, Swiss Re, Sika), resultiert für den SMI eine positive Gesamtrendite für die vergangene Woche (+0.10%).

Ein weiteres wichtiges Element des disziplinierten Anlegens besteht darin, die ausgeschüttete Dividende wieder zu reinvestieren. Das erhöht längerfristig den Zinseszinseffekt des Wertpapiersparens. Uns ist völlig klar, dass man dabei die Gesetzmässigkeiten der Diversifikation berücksichtigen muss, aber viele übertreiben es auch. Die zu hohe Diversifikation vermindert die Renditeaussichten. Plötzlich ist man nicht mehr in die Industrieleader, sondern auch in die Industrieleichen investiert. Dabei lohnt es sich, aus jedem Aktienkorb die offensichtlich «faulen» Wertpapiere diszipliniert zu eliminieren.

Bei den Leadern kommt der Vorteil dazu, dass sie in volkswirtschaftlichen Wachstumsphasen wie auch in konjunkturell schwierigen Phasen in der Lage sind, positive Cash Flows zu erzeugen. Diese Resilienz leitet sich aus der relativen Marktstellung und häufig auch der relativen Qualität ab. Nicht in jedem Markt ist Grösse gefragt. In stabilen Märkten begünstigt die Grösse das Kostensenkungspotenzial und damit die Ertragskraft. In Märkten, die von einer grundlegenden technologischen Substitution erfasst sind, spielt dagegen die Agilität eine herausragende Rolle. Grösse kann da sogar ein Hindernis sein.

In unseren Portfolios findet man ausschliesslich Unternehmen mit einer Markt-, Qualitäts- oder Technologie-Führerschaft. Die grössten weisen eine Marktkapitalisierung mit einer dreistelligen Milliarden-Summe auf, z.B. Nestlé mit 316 Milliarden Franken; die kleinsten wie das Thalwiler Unternehmen u-blox haben eine Marktkapitalisierung von 473 Millionen Franken. Letzteres beschäftigt jedoch mehr als 800 Mitarbeitende in der Forschung und Entwicklung und ist beflügelt von den jüngsten Industrie-Trends wie ferngesteuerte Wartung, elektronische Steuerungen in Automobilen, Entwicklungen in Themen wie Smart Living und Elektromobilität. Nach schwierigen Zeiten in jüngster Vergangenheit hat sich der Bestellungseingang bei diesem Technologieleader um mehr als das Vierfache gegenüber dem Vorjahr erhöht.

Erfreulich war natürlich auch die Beschleunigung des Wachstums bei Nestlé im ersten Quartal sowie der verbesserte Ausblick auf die kommenden Quartale. Der Aktienkurs hat diese zahlreichen hochwertigen Botschaften des grössten Nahrungsmittelkonzerns der Welt noch längst nicht verarbeitet.

Thema der Woche: Dem Rallye seinen Lauf lassen

Im gegenwärtigen Aufschwung stellt sich die Frage, ob man die Gewinne realisieren oder dem Rallye seinen Lauf lassen soll. Der Weltaktienindex MSCI World liegt nach knapp einem Drittel des Kalenderjahres bei +8.7%. Für die Schwellenländer liegt der entsprechende Index bei +3.9%. Das sind für uns noch keine Zeichen eines irrationalen Überschwangs, sondern widerspiegelt die unternehmerische Qualität der kotierten Unternehmen. Das erste Quartal war in zahlreichen Ländern eingebettet in eine konjunkturelle Stagnation. Gut geführte Unternehmen vermochten jedoch eine markante Umsatz- und Gewinnsteigerung zu erzielen.

Givaudan Zurich HQ (Photo courtesy of Givaudan)

Die Quartalsberichterstattung hat in der Schweiz mit einem lauten Knall begonnen. Der Aroma- und Duftstoffhersteller Givaudan übertraf die Erwartungen um Längen. Sika doppelte eindrücklich nach. LafargeHolcim, der zweitgrösste Zementhersteller der Welt, ist noch nie so gut in ein Jahr gestartet wie 2021 und hat den Betriebsgewinn gleich verdoppelt. Der Ausblick bleibt aus vielerlei Gründen optimistisch. Ein wichtiger Beitrag wird vom Dachmaterialanbieter Firestone dazukommen, dessen Übernahme LafargeHolcim inzwischen abgeschlossen hat.

Und zuletzt überzeugte Nestlé mit einem organischen Wachstum von 7.7% im ersten Quartal. Das lag weit über den Schätzungen aller Analysten. Dabei waren vielerorts die Restaurants und Cafés geschlossen und die Absatzkanäle in den wichtigen Schwellenländern wie z.B. Lateinamerika litten unter massiven Einschränkungen. Bei Nestlé schlummert vielerorts noch erhebliches Potenzial, denn der Marktleader hat in verschiedenen gewichtigen Märkten seine Marktanteile ausbauen können.

Das Umfeld erweist sich derweil stabil. Eine geplante Steuererhöhung in den USA trübte etwas die Stimmung. Dabei dürfte die Kapitalertragssteuer für Superreiche in den Vereinigten Staaten zwar steigen, aber nicht so stark wie angekündigt, und ohnehin nur im Fall einer Veräusserung. Gerade deshalb könnte dies bei einer weltweit steigenden Nachfrage nach Realanlagen einen weiteren Beitrag zur Steigerung der Aktienmarktrenditen beitragen.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

27. April 2021 USA: Conference Board Konsumentenvertrauen April
28. April 2021 Deutschland / Frankreich: GfK Konsumentenvertrauen Mai
29. April 2021 Eurozone / USA: Konsumentenvertrauen April / Reale Konsumausgaben 1. Quartal
30. April 2021 Japan / Eurozone: Industrie PMI April / Kerninflation und Inflation April

Kommentar

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wegen der dritten Corona-Welle ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum des Euroraums im laufenden Jahr leicht zurückgenommen. Für 2022 wird dagegen mit einem etwas stärkerem Plus der Wirtschaftsleistung gerechnet. Der Trend per se darf genauso auf die Schweiz übertragen werden.

Für 2021 erwarten die EZB Volkswirte einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4.2% (zu Jahresbeginn 4.4%). Die dritte Welle der Pandemie dämpfe derzeit die Erholung, hiess es. Für das kommende Jahr erwarten die Ökonomen, dass die Wirtschaft des Euroraums um 4.1% wachsen wird. Im Januar waren sie lediglich von 3.7% ausgegangen, d.h. das Wachstum wird etwas in die Zukunft verschoben.

Eine Zukunft, die uns für die Anlagen noch viel Freude bereiten wird. Denn führen Sie sich bitte einmal vor Augen: Die Konjunktur in Europa hat bislang den verschärften Eindämmungsmassnahmen getrotzt. Die Erstquartalsergebnisse haben überall die Erwartungen übertroffen. Stellen Sie sich vor, wie der Boom ausfallen wird, wenn alle Beschränkungen wegfallen werden. Der Dienstleistungssektor wird in den kommenden Quartalen den konjunkturellen Boom befeuern. Und das sieht man gegenwärtig am Horizont bereits anhand der Rauchzeichen. Diese signalisieren uns: Weiterhin investiert bleiben, nicht gebrauchte Liquidität anlegen und Schwächephasen für Zukäufe nutzen.

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.20
SMI 11'200.5 +4.6%
SPI 14'418.0 +8.2%
DAX € 15'279.6 +11.4%
Euro Stoxx 50 € 4'013.3 +13.0%
S&P 500 $ 4'180.2 +11.3%
Dow Jones $ 34'043.5 +11.2%
Nasdaq $ 14'016.8 +8.8%
MSCI EM $ 1'353.0 +4.8%
MSCI World $ 2'946.1 +9.5%
Obligationenmärkte Seit 31.12.20
SBI Dom Gov TR 231.2 –3.8%
SBI Dom Non-Gov TR 120.0 +0.0%
Immobilienmärkte Seit 31.12.20
SXI RE Funds 494.4 +2.3%
SXI RE Shares 3'146.8 +3.0%
Rohstoffe Seit 31.12.20
Öl (WTI; $/Bbl.) 62.2 +28.2%
Gold (CHF/kg) 52'223.2 –3.3%
Wechselkurse Seit 31.12.20
EUR/CHF 1.1053 +2.2%
USD/CHF 0.9140 +3.3%
EUR/USD 1.2097 –1.0%
Kurzfristige Zinsen
3M Progn. 3M Progn. 12M
CHF –0.75 −0.8 - −0.6 −0.8 - −0.6
EUR –0.54 −0.6 - −0.5 −0.6 - −0.4
USD +0.18 0.0 - +0.3 0.0 - +0.3
Langfristige Zinsen
10 Jahre Progn. 3M Progn. 12M
CHF –0.25 −0.6 - −0.4 −0.3 - −0.1
EUR –0.27 −0.6 - −0.3 −0.2 - +0.2
USD +1.56 +1.2 - +1.4 +1.4 - +1.6
Teuerung
2021P 2022P 2023P
Schweiz 50.0% 120.0% 120.0%
Euroland 100.0% 150.0% 200.0%
USA 160.0% 240.0% 250.0%
Wirtschaft (BIP real)
2021P 2022P 2023P
Schweiz 500.0% 200.0% 180.0%
Euroland 600.0% 260.0% 180.0%
USA 300.0% 200.0% 220.0%
Global 540.0% 350.0% 350.0%
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