Der Leitindex SMI rückte in der vergangenen Woche auf 11’116 Punkte vor. Das ist der höchste Schlusskurs seit Februar 2020. Die Massenimpfungen werden sich in Europa und in Nordamerika im zweiten Quartal enorm beschleunigen und wesentlich zur Bewältigung der Pandemie beitragen. Es gibt wenig, was die Wiedereröffnung in den kommenden Monaten verzögern könnte. Die Erholung in der Öl-, Reise- und Freizeitbranche ist absehbar. Günstiges Kapital und billionenschwere Konjunkturpakete sorgen zudem dafür, dass sich die Weltwirtschaft schneller erholen wird als zuletzt erwartet.
Dies hat das Konsumentenvertrauen gestärkt und die Stimmung bei den Unternehmen markant verbessert. Die März-Einkaufsmanagerindizes sowohl für das verarbeitende Gewerbe wie auch für den Dienstleistungssektor sind in Europa mit 52.5 Punkten besser als erwartet ausgefallen. Das deutet auf eine sich beschleunigende Wirtschaft hin. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im März mit 96.6 Punkten gar auf den höchsten Wert seit Juni 2019 gestiegen. Das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut befragt dazu rund 9’000 Führungskräfte. Insbesondere der Geschäftsausblick für die kommenden sechs Monate wird günstig beurteilt. In der Industrie waren die Unternehmen so optimistisch wie zuletzt im November 2010.
Diese Stimmung übertrug sich auch auf die Anleger an den europäischen und nordamerikanischen Börsen. Daran mochte weder das missglückte Ausrufen einer «Osterruhe» der deutschen Bundeskanzlerin noch die Spannungen mit China wegen dessen Vorgehen gegen die uigurische Minderheit etwas rütteln. Nachdem ein grosses Containerschiff im Suezkanal auf Grund gelaufen ist und den Verkehr durch diese für die Weltlogistik wichtige Schifffahrtspassage blockiert hat, verbreitete sich vorübergehend etwas Unsicherheit.
Mit den starken realwirtschaftlichen Signalen scheint die Rotation von Technologieaktien in Substanzwerte weiter voranzuschreiten. Beliebt sind zuletzt die mit Bautätigkeiten verbundenen Aktien von LafargeHolcim und Sika (je +10% seit Monatsbeginn). Sie profitieren davon, dass im US Kongress im kommenden Quartal mit einem «grünen» Infrastrukturpaket im Wert von 2’000 bis 4’000 Milliarden Dollar zu rechnen sein dürfte. Wer in den letzten Jahren die USA besucht hat, weiss, wie hoch der Erneuerungsbedarf ist. In zahlreichen Städten ist der Kern der Infrastruktur 50-jährig oder älter: Rost, Risse und Löcher, wo man hinschaut. Es besteht ein riesiger Nachholbedarf in den kommenden zehn Jahren.
Auch weitere Substanzwerte legten im März zu. Die Versicherungen Swiss Re (+10%), Axa und Zurich Insurance (je +8%) waren dabei Branchenleader. Erholt haben sich im März bislang auch die Aktien vom Konsumgüterkonzern Nestlé (+10% seit Monatsbeginn), vom Energiekonzern Enel (+7%) und vom Wohnungskonzern Vonovia (+6%).
Die Corona-Pandemie beeinträchtigt die Wirtschaft weiterhin stark. Der Franken ist trotz der jüngsten Abschwächung nach wie vor hoch bewertet. Um die Wirtschafts- und Preisentwicklung zu stabilisieren, führt die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre expansive Geldpolitik unverändert fort.
Die SNB ist gemäss ihrer Lagebeurteilung vom März 2021 weiterhin bereit, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, und berücksichtigt dabei die gesamte Währungssituation. Die SNB stellt ausserdem dem Bankensystem nach wie vor grosszügig Liquidität zur Verfügung. Die expansive Geldpolitik sorgt für günstige Finanzierungsbedingungen, wirkt dem Aufwertungsdruck auf den Franken entgegen und trägt zu einer angemessenen Versorgung der Wirtschaft mit Krediten und Liquidität bei.
Das Basisszenario der SNB für die Weltwirtschaft geht davon aus, dass die vielerorts bestehenden Eindämmungsmassnahmen im Verlauf des «Impf-Frühlings» schrittweise gelockert werden. Entsprechend dürfte die wirtschaftliche Erholung ab dem zweiten Quartal an Schwung gewinnen. Neben den erwarteten Fortschritten bei den Impfprogrammen bilden auch die weltweit ergriffenen geld- und fiskalpolitischen Massnahmen eine wichtige Stütze. Dennoch werden die globalen Produktionskapazitäten noch längere Zeit unterausgelastet bleiben. Deshalb fällt auch die Inflationsprognose in der geldpolitischen Lagebeurteilung von März 2021 moderat aus.
Vor diesem Hintergrund rechnet die Nationalbank für 2021 unverändert mit einem BIP-Wachstum von 2.5% bis 3%. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich hat dagegen die Wachstumsprognose für die Schweiz gegenüber der Analyse im Dezember 2020 deutlich erhöht. Damit dürfte die Wirtschaft im dritten Quartal bereits wieder ihr Vorkrisenniveau erreichen. Die stärksten Wachstumsimpulse kommen aus den Sektoren Industrie und Staat sowie aus den konsumentennahen Dienstleistungen. Besonders gut läuft es derzeit in der hiesigen Bauindustrie. Aber auch andere industrielle Branchen bewegen sich auf ein Hoch zu, ebenso die chemisch-pharmazeutische Industrie sowie die Uhrenindustrie. Die Hypothekarkredite und Wohnliegenschaftspreise sind in den letzten Quartalen weiter angestiegen.
Rechtzeitig mit dem Frühling sind auch die Nestlé-Aktien erwacht. Sie haben ohne besondere Nachrichten seit Monatsbeginn um 10% zugelegt und damit den gesamten Swiss Market Index (SMI) mitgezogen. Dieser liegt inzwischen bei 11’116 Punkten. Das sind 3.9% mehr als zu Jahresbeginn.
Auf der anderen Seite wird das Banksparen wird durch offenkundige Negativzinsen und versteckte Gebühren immer unattraktiver. Die leicht steigende Teuerung trägt dazu bei, dass das Banksparen zudem mit einer negativen Realrendite verbunden bleibt. Vielleicht ist es dies, was immer mehr Menschen dazu bewegt, vermehrt mit Wertpapieren zu sparen. Wir sind und bleiben davon überzeugt, dass dies ein hervorragender Weg bleibt, um das Vermögen zu vermehren.
Natürlich gibt es dabei auch Risiken. Diese lassen sich mit einer angemessenen Diversifikation verringern. Betrachten wir beispielsweise die Gesamtrendite des SMI seit Jahresbeginn. Von 20 Aktien legten die allermeisten im ersten Quartal zu. Dabei reicht die Bandbreite von 0% bis +21%. Nur gerade zwei Aktien liegen im Minus: Givaudan (-2.7%) und Lonza (-3.6%, nicht ganz überraschend nach einem Plus von 62% im vergangenen Jahr).
Das Wertpapiersparen muss nicht ausschliesslich mit Aktien verbunden sein. Je nach Risikoneigung kann man Unternehmensanleihen, Immobilien- und Infrastrukturwerte sowie Privatmarktanlagen beifügen. Bei der Hefe wird nur wenig Zeit benötigt, bis sie aufgeht. Bei den Anlagen braucht es mehr Geduld, bis alle Ideen aufgehen. Aber es ist gewiss nie zu spät, damit zu beginnen.
Herzlich, Maurice Pedergnana