Der Swiss Market Index beendete die Woche bei 10’755 Punkten und liegt damit 0.5% höher als zu Jahresbeginn. Signifikant höher liegen der breite Stoxx Europe 600 (+2.6%), in dem die Schweiz mit rund einem Sechstel vertreten ist, und der amerikanische S&P500 (+3.5%). Besonders zugelegt seit Jahresbeginn haben die indischen Aktien (+6.2%). Der SMI ist aktuell «belastet» von den Indexschwergewichten Nestlé, Novartis und Roche, die allesamt im Minus liegen. Da erging es unsere Schwergewichten Swiss Life, Sika (je +4%) und Partners Group (+6%) deutlich besser. Seit Jahresbeginn ebenfalls deutlich zugelegt haben Tech-Werte wie Tencent (+33%), Alibaba (+15%), Alphabet/Google (+18%) und die Schweizer u-Blox (+24%). Besonders zuversichtlich wirkt der Markt auch gegenüber Infrastrukturaktien wie Veolia Environnement (+15%), BKW (+10%) und Orpea (+8%). Und dabei liegen wir ja erst in der Woche 6 eines Jahres, das sich zu einem herausragenden Jahr für Realanlagen entwickeln könnte.
Zunächst ist festzustellen, dass sich in den positiven Entwicklungen auf den Aktienmärkten auch die zuversichtliche Einschätzung der Investoren über die kommenden zwei Jahre widerspiegelt. Wie rasch vermeintlich «sichere» Anleihen Werteinbussen erleiden können, haben in den vergangenen Tagen vor allem institutionelle Anleger erfahren. Der Swiss Bond Index der Eidgenossen («Swiss Bond Domestic Government Index») hat seit Jahresbeginn satte 2.7% eingebüsst. Das hängt mit erhöhten Inflationserwartungen zusammen. Manche Investoren warfen ihre Eidgenossen auf den Markt und die Rendite der zehnjährigen Anleihen stieg erstmals seit Juli 2020 wieder auf -0.4%. Bei steigenden Zinsen drohen weitere Verluste auf den Staatsanleihen, ohne dass man mit einer positiven Verfallsrendite rechnen darf.
Aufgrund der positiven wirtschaftlichen Aussichten setzen wir bekanntlich den Schwerpunkt auf Unternehmensanleihen. Diese haben seit Jahresbeginn je nach Risikoneigung zwischen 0.4% und 1.1% zugelegt. Alle Trends dieser letzten Tage und Wochen dürften sich im Laufe des Jahres noch deutlich akzentuieren. Das steigende Wirtschaftswachstum belastet den Goldpreis. Der Unzenpreis ist in den ersten Wochen dieses Jahres um 4.5% auf 1’811 Dollar gefallen. Ebenfalls gefallen ist der Index der Schweizer Immobilienfonds (-1.8%); dieser weist traditionell eine hohe Korrelation mit dem Swiss Bond Index auf. Und seit Jahresbeginn notiert auch die defensive Nestlé Aktie deutlich tiefer (-4%). Letztere halten wir allerdings für attraktiv.
Doch die Ungeduld der Anleger verlagert den Fokus auf das kurzfristige Geschehen. Deshalb haben sich die Valoren vom Pharma- und Diagnostikkonzern Roche nach der Bekanntgabe der Ergebnisse ebenfalls enttäuschend entwickelt. Deutlich höher als Roche gewichten wir HBM Healthcare (+6% seit Jahresbeginn), die in den letzten Wochen gleich mit mehreren positiven Nachrichten zu überzeugen vermochte.
Aktien haben allmählich die Anleihen verdrängt. Nicht nur, weil sie eine attraktive Renditequelle darstellen, sondern weil sie langfristig auch mit einem geringeren Risiko verbunden sind. Für den realen Kapitalerhalt reichen die Renditeaussichten der Staatsanleihen jedenfalls schon lange nicht mehr. Dividenden rücken daher an die Stelle der Anleihenscoupons.
Früher gab es noch Kassenobligationen und Anleihen, mit denen man drei, vier oder gar fünf Prozent Zins verdient hat. Fairerweise bleibt allerdings anzufügen, dass in dieser Phase auch die Inflationsraten bei drei oder vier Prozent lag. So blieb den Kunden real nicht mehr Kaufkraft am Ende des Jahres übrig. Genau betrachtet hat man nach Inflation, Steuern und Gebühren über viele Jahre hinweg kaum je Geld verdient. Das reale Null- oder Negativzinsumfeld ist somit im Grunde nichts wirklich Neues. Neu ist grundsätzlich nur, dass es nun auch nominell Null- oder Negativzinsen gibt.
Deshalb ist das «Aktiensparen» so wichtig. Mit Aktien hat man in der langen Frist nicht nur die Vermögenswerte erhalten, sondern immer wieder frische, reale Kaufkraft generiert. Wer heute 66-jährig ist, hat in aller Regel noch ein jahrzehntelanges Leben vor sich. Deshalb ist es wichtig, den Anlagehorizont nicht allzu kurz festzulegen und damit die Aktienquote bewusst einzuschränken.
Mit einem breit diversifizierten Portfolio lässt sich heute allein mit den Dividendenausschüttungen rund 2.5% bis 3.5% erzielen und das Portfolio besser stabilisieren als mit langfristigen Staatsanleihen. Wir stehen in Europa gerade vor einem rekordverdächtigen Dividendenfrühling und freuen uns noch mehr auf die Frühjahre in den kommenden zwei bis drei Jahren. Denn wir rechnen mit deutlich erhöhten Ausschüttungen an die Aktionäre.
Europäische Unternehmen schütten im Gegensatz zu amerikanischen Unternehmen relativ viel vom Gewinn als Dividende aus. In den USA tendieren Firmen eher dazu, mit überschüssigem Kapital Aktienrückkäufe zu tätigen. Das geht sogar so weit, dass sie Anleihen zu Tiefstzinsen emittieren, um über Rückkaufsprogramme zur langfristigen Gewinnverdichtung beizutragen.
Am vergangenen Freitag hatte ich – natürlich unter Einhaltung der Covid-Vorgaben des Bundes – ein ausführliches Gespräch mit einem potenziellen Kunden. Ich hatte zwar eine Präsentation vorbereitet, doch die nahm ich nie hervor. Vielmehr verbrachten wir zwei Stunden, um uns über das bisherige Leben und das zukünftige zu unterhalten, über die Aufs und Abs an der Börse sowie in geschäftlichen wie auch in privaten Angelegenheiten und über den geruhsameren Lebensabschnitt, der nun bevorsteht.
Es war mir wichtig, dem 66-jährigen Jung-Pensionär zuzuhören, genau und geduldig. Er verkörpert gewissermassen viele Eigenschaften, die uns immer wieder begegnen. Er fährt, wenn er nicht den Zug in Anspruch nimmt, einen Kleinwagen, macht sich Sorgen um die Umwelt und seine Nachwelt. Er kümmert sich um seine Nachbarschaft, da er rüstig und energiegeladen ist. Und natürlich hätte ihn seine Frau begleitet, doch sie unterstützt gerade die Tochter und betreut die Zwillingsenkelkinder.
Zur Rente aus AHV und BVG, wobei hier ein paar schwierige Beitragsjahre ihre Spuren hinterlassen haben, sollte sich noch ein Ertrag aus den Kapitalanlagen dazugesellen. Die Hypothek ist schon stattlich amortisiert und nun auf die nächsten neun Jahre hinaus fixiert. So lässt sich besser budgetieren. In der gleichen Ausgangslage vor zehn oder zwanzig Jahren hätte man vielleicht noch Anleihen in Erwägung gezogen, aber im gegenwärtigen Umfeld wollen sie mit aller Geduld in ein dividendenträchtiges Portfolio investieren.
Das Gespräch war sehr spannend. Natürlich haben wir passende Lösungen. Aber der erste – und wichtigste – Schritt ist immer noch, die Ausgangslage richtig zu verstehen. Und dazu sind wir für Sie da.
Herzlich, Maurice Pedergnana