Eine Reihe von neuen Informationen musste jüngst verdaut werden. Zum einen war da der Ausblick auf ein 1’900 Milliarden Dollar schweres Konjunkturprogramm in den USA. Der neu gewählte US-Präsident Joe Biden, der am Donnerstag vereidigt wird, hat ein Covid-19 Hilfsprogramm angekündigt. Jerome Powell, der Präsident der US Federal Reserve, hat zudem gesagt, dass es für den Arbeitsmarkt noch einen langen Weg zurück zur früheren Stärke gebe. Seine Kernaussage wurde sogleich als Indiz für eine weiterhin lockere Geldpolitik interpretiert.
Während der Aufschwung in Europa von der Industrie getragen wird, verlagert sich die Erholung Chinas im Jahr 2021 zum Konsum. Die Verbrauchernachfrage entwickelt sich stark. Indizien bilden sowohl die zunehmenden Autoverkäufe wie auch die Wohnimmobiliengeschäfte. In den USA wird die Konjunktur im Frühjahr an Fahrt zulegen, allerdings bei einer höheren Inflationsrate. Die deutlich höheren Energiepreise und der schwache Dollar führen jedoch zu einem Preisschub.
Die Inflationsraten in allen hochentwickelten Volkswirtschaften werden in den kommenden Monaten um durchschnittlich gegen 2% ansteigen, da die Energiepreis-getriebene Inflation anzieht und in einigen Fällen die Auswirkungen der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkungen des letzten Jahres (z.B. Deutschland) rückgängig gemacht werden. Die Kerninflation dürfte in vielen Ländern gedämpft bleiben, aber das bleibt ein schwacher Trost. In diesem kalten, schneereichen Winter lebt kaum jemand auf der nördlichen Hemisphäre ohne einen deutlich erhöhten Energiekonsum. Weil die Zentralbanken überall eine grössere Toleranz gegenüber höherer Inflation zeigen, durchschauen immer mehr Investoren die Trends und veräussern ihre Staatsanleihen, vor allem die langfristigen.
Unsere BIP-Prognosen für dieses Jahr liegen etwas über dem Durchschnitt des Marktes. Die grössten Risiken für diese optimistische Sichtweise ergeben sich aus unvorhergesehenen Verschiebungen beim Virus und seiner Bekämpfung und nicht aus den eher orthodoxen makroökonomischen Ereignissen, die üblicherweise Prognosen entgleisen lassen.
Der Schweizer Aktien-Leitindex Swiss Market Index (SMI) liegt nach zwei Handelswochen bei 10’877 Punkten, 1.6% höher als zu Jahresbeginn. Die Pharma-Schwergewichte Roche (+5.0% in der vergangenen Woche) und Novartis (+2.8%) profitierten von ihren Präsentationen an einer weltweit beachteten, hochkarätigen Investorenkonferenz zum Gesundheitswesen. Dagegen blieb Nestlé unter Druck. Die Aktie liegt 3.2% unter dem Jahresbeginn und ist derzeit die Aktie mit dem zweitschlechtesten Jahresstart im SMI, eine ungewohnte Rangierung.
Gut aufgenommen wurden die Neugeldzusagen beim Privatmarktanleger Partners Group. Der Spezialist für nicht kotierte Anlagen rechnet 2021 erneut mit einem Zufluss von 16 bis 20 Milliarden Dollar. Ebenfalls positiv in Szene gesetzt hat sich der Softwarekonzern SAP.
Immer mehr Bankkunden sind in diesen Tagen mit Negativzinsen konfrontiert, nicht nur in der Schweiz, sondern in grossen Teilen Europas. Am einfachsten ist dann immer noch der Weg, entsprechende Mittel in die 3a Vorsorgestiftung sowie in einer balancierte Strategielösung einzuzahlen. Da fallen keine Negativzinsen an und es bestehen gute Aussichten auf eine positive Rendite in den kommenden Jahren.
Wer alle Liquidität zusammenbringt und sich damit auf den Immobilienmarkt begibt, geht ein nicht unerhebliches Risiko ein. Im Gegensatz zu einem diversifizierten Immobilienfonds ist die Anlage in eine einzelne Stockwerkeigentumswohnung immer auch ein Klumpenrisiko. Nur solange sie letztlich für Mieteinnahmen sorgt, ist die Rendite positiv. In peripheren Gebieten ist die Leerstandsquote in den letzten beiden Quartalen auf ein Rekordniveau gestiegen. Zudem würden sich die Preise gemäss dem UBS Immobilien-Bubble Index in der Risikozone bewegen.
Wer das Geld selbst anlegen will, und zwar insbesondere risikoarm, wird nicht um Anleihen herumkommen. Die Anleihensmärkte wurden in den letzten Jahren radikal reguliert. Von den meisten europäischen Konzernen gibt es nur noch Anleihen mit Mindest-Stückelungen von 100’000 Euro oder mehr. Ob es sich nun um den französischen Wasser- und Abwasserversorger Veolia Environnement, um den deutschen Pharmakonzern Bayer oder um den riesigen Stellantis Automobilkonzern (Fusion von Fiat, Chrysler-Jeep, Peugeot & Citroën) handelt: Kleine Stückelungen gibt es nicht mehr.
Über 90% der europäischen Anleihen richten sich nur noch an institutionelle Anleger. Dem Privatanleger bleibt vielfach nur noch der Weg über Anleihensfonds oder über Anleihen von Staaten, staatsnahen Institutionen (z.B. Spitäler) und supranationalen Organisationen. Diese verfügen zwar über ein hohes Rating, vielfach ein «AA» oder gar mehr. Nur sind da die Zinsen vernachlässigbar, falls solche überhaupt vorhanden sind. Gewiss ist, dass da die Verfallsrenditen negativ sind.
Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick Januar 2021
Aufgrund der aktuellen Covid-19 Situation führen wir den im Januar 2021 anstehenden Event «virtuell» durch. Nach Anmeldung erhalten Sie Ende Januar einen Videolink per E-Mail. Im Video können Sie diese drei Referate sehen:
Rück- und Ausblick Zugerberg Finanz AG (Timo Dainese, CEO)
Rück- und Ausblick Wirtschaft und Kapitalmärkte (Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Chefökonom)
Sonderthema «USA – Quo Vadis?» (Martin Dahinden, ehemaliger Schweizer Botschafter in Washington)
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Auszüge und Berichterstattung 2020
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