Der Schweizer Aktien-Leitindex Swiss Market Index (SMI) beendete die erste Handelswoche mit einem Plus von 0.9% bei 10’798 Punkten. Allerdings hinkte der SMI vielen internationalen Leitindizes etwas hinterher, was auf die eher defensiven SMI-Schwergewichte zurückzuführen ist. In einigen Ländern ist es zu neuen Rekordhochs bei den Aktienindizes gekommen.
Für Schwung sorgten die künftigen politischen Machtverhältnisse in den USA. Der designierte US-Präsident Joe Biden kann sich in den kommenden beiden Jahren auf eine demokratische Mehrheit in beiden Parlamentskammern stützen, was die Chancen für zusätzliche Konjunkturhilfen erhöht. Zugleich hat der abtretende Präsident Donald Trump durch die von ihm verschuldete Niederlage bei der Senatorenwahl in Georgia sowie durch die von ihm angeheizte Erstürmung des Capitols deutlich an Unterstützung aus den eigenen Reihen eingebüsst.
Zwar kämpfen einige wichtige Länder und Regionen mit den Auswirkungen erneuter Lockdowns, aber insgesamt zeigt sich die Weltwirtschaft robust – auch dank grosszügigen geld- und fiskalpolitischen Unterstützungsprogrammen.
Verschlechtert hat sich dagegen die Lage auf dem wichtigsten Anleihensmarkt der Welt. Die US-Schatzanleihen haben je nach Laufzeit kräftige Verluste in Kauf nehmen müssen. Die Renditen der 10- bis 30-jährigen Anleihen haben innert Wochenfrist um 13 Basispunkte zugelegt. Das hat dazu geführt, dass z.B. die 30-jährige Schatzanleihe gleich mehr als 5% Kursverlust innert Wochenfrist zu verkraften hatte. Mittlerweile ist die US-Zinskurve so steil wie schon lange nicht mehr. Der Unterschied zwischen der Rendite von 2-jährigen Anleihen und jener von 30-jährigen liegt inzwischen bei 162 Basispunkten (1.62%).
Zum Vergleich: In der Schweiz liegt die Rendite der 30-jährigen Eidgenossen nur gerade 57 (0.57%) Basispunkte höher als jene von kurzfristigen Anleihen, d.h. die Schweizer Zinskurve ist sehr flach und seit Jahresbeginn sogar noch etwas flacher geworden.
Weil sich der Finanzsektor mit der steilen US-Zinsstrukturkurve wohl fühlt, haben sich Banken- und Versicherungswerte, die über ein starkes US-Geschäft verfügen, in den letzten Tagen besonders gut entwickelt. Bei Zurich Insurance machte der Wochengewinn 2.9% aus. Bei Swiss Life fiel er mit 4.7% noch höher aus, weil da das Aktienrückkaufsprogramm wieder aufgenommen wurde.
Die SMI-Schwergewichte Nestlé (-2.8%), Roche (-2.4%) und Novartis (-0.8%) sind schlecht ins neue Jahr gestartet. Hervorragend waren die Industrietitel, wie beispielsweise die Aktien von Geberit (+5.0%), dem europäischen Marktführer für Sanitärprodukte. Das hängt auch mit der Erkenntnis zusammen, dass die Weltwirtschaft derzeit stark von der Industrieproduktion profitiert. Eindrucksvoll vermochte sich LafargeHolcim (+8.1%) in Szene zu setzen.
Mit scharfem Auge werden die jüngsten Zahlen vom Arbeitsmarkt in den USA verfolgt. Jeweils am Donnerstag wird über die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe berichtet. Per 14. Januar 2021 sind bereits alle landesweiten Anträge per 9. Januar addiert. Gleichentags werden auch die Folgeanträge auf Arbeitslosenhilfe festgehalten und stets nach Branchen und Regionen gegliedert.
Manchmal werden kleinste Abweichungen von den Erwartungswerten hochstilisiert, manchmal zeigen sich die Kapitalmärkte ziemlich unbeeindruckt. Hinzu kommt, wie man die saisonale «Bereinigung» der statistischen Werten interpretiert. Makroökonomisch sinnvoll sind die weniger schwankungsanfälligen Vierwochen-Durchschnittswerte (derzeit rund 820’000 Neuanträge).
Die Zahl der Personen, die kontinuierlich Leistungen aus der US-Arbeitslosenkasse beanspruchen, nahm gegen Ende Jahr entgegen den Erwartungen auf 5.1 Millionen ab. Das ist der tiefste Wert seit Beginn der Pandemie. Aber die Arbeitsmarktlage scheint sich in den USA noch für einige Wochen und möglicherweise Monate zu verschlechtern, ehe sie sich verbessern dürfte. Insgesamt stagniert die Arbeitslosenquote bei 6.7%. Mit knapp 11 Millionen Arbeitslosen ist die Zahl fast doppelt so hoch wie im letzten Monat vor der Pandemiekrise (Februar 2020).
Europas Arbeitsmärkte zeigen sich dagegen erstaunlich robust. Es dauert immer länger als in den USA, um die Daten aus allen 27 EU-Ländern zusammenzutragen. Wie das europäische Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte, sankt die Arbeitslosenquote im November weiter auf 7.5%. Das ist nur ein Prozent mehr als zu Beginn des vergangenen Jahres. Das europäische Bild wird dadurch geschönt, weil ein beträchtlicher Teil der Beschäftigten in Kurzarbeit ist. Diese werden nicht als Arbeitslose erfasst.
Neue Corona-Einschränkungen können sich auch auf dem europäischen Arbeitsmarkt durchschlagen. Doch in der Hoffnung auf einen starken Aufschwung ab Frühjahr mit zahlreichen Nachholeffekten belässt man es bei Kurzarbeit und vermeidet Entlassungen.
Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick Januar 2021
Aufgrund der aktuellen Covid-19 Situation führen wir den im Januar 2021 anstehenden Event «virtuell» durch. Nach Anmeldung erhalten Sie Ende Januar einen Videolink per E-Mail. Im Video können Sie diese drei Referate sehen:
Rück- und Ausblick Zugerberg Finanz AG (Timo Dainese, CEO)
Rück- und Ausblick Wirtschaft und Kapitalmärkte (Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Chefökonom)
Sonderthema «USA – Quo Vadis?» (Martin Dahinden, ehemaliger Schweizer Botschafter in Washington)
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Auszüge und Berichterstattung 2020
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