Gerade noch rechtzeitig vor dem Jahreswechsel vermochten sich die Europäische Union und die britische Regierung auf einen Handelspakt einigen. Auf beiden Seiten des Ärmelkanals herrscht deshalb grosse Erleichterung. Bei den Briten ist sie umso grösser, weil sie bereits mit Japan eine Vereinbarung getroffen haben. Mit den Automobilkonzernen wurde der Deal eingegangen, dass die Briten die japanischen Investitionen auf britischem Land zurückzahlen würden, könnten die produzierten Autos nicht zollfrei in die Eurozone exportiert werden.
In seiner Rede zur Einigung am 24. Dezember strich der britische Premierminister Boris Johnson die kulturelle, emotionale, historische, strategische und geologische Verbundenheit zu Europa heraus. Mit dem Stichwort «Geologie» erinnerte er daran, dass Britannien nicht immer eine Insel war. Vor wenigen tausend Jahren banden die Gletscher in den Alpen enorme Wassermengen, so dass England mit Kontinentaleuropa und Skandinavien verbunden war.
Noch heute liegen riesige Flächen in der Nordsee nur wenige Meter unter der Meeresoberfläche. Diese bilden ideale Flächen für die Fischerei. Entsprechend intensiv wurde zwischen dem «souveränen Küstenstaat» und den kontinentaleuropäischen Fischern um die Fischereirechte gerungen.
Positive Signale sendet auch der Welthandel. Alle Reedereien erfreuen sich über zunehmende Aufträge, in einigen Fahrtgebieten rund um die Erde sind die Transportkapazitäten sogar knapp geworden und stillgelegte Schiffe mussten wieder reaktiviert werden. Erst acht Monate ist es her, als beispielsweise Hapag-Lloyd ein hartes Sparprogramm verkündete. Inzwischen ist die Nachfrage durch die unerwartet schnelle Erholung so stark angestiegen, dass die Branche hohe Gewinne einfährt.
Hapag-Lloyd traut sich wieder Investitionen in die Flotte zu. Vergangene Woche orderte Deutschlands grösste Reederei gleich sechs moderne Containerschiffe mit einer Kapazität von jeweils gut 23’500 Standardcontainern. Die Frachter, so lang wie vier Fussballfelder hintereinander, zählen zu den grössten weltweit. Auch die dänische Maersk hat im Verbund mit der italoschweizerischen MSC weitere Grossschiffe bestellt. In der Logistik der Weltwirtschaft erbringen diese zentrale Leistungen – und das wohl mit zunehmender Bedeutung.
Der Swiss Market Index beendete die vergangene, verkürzte Handelswoche bei 10411 Punkten, 1.9% tiefer als zu Jahresbeginn. Der Euro Stoxx 50 liegt mit 3’543 Punkten 5.4% tiefer als zu Jahresbeginn, während der US-amerikanische Dow Jones mit 30’200 Punkten 5.8% über dem Jahresbeginn liegt. Während sich der Euro zum Schweizer Franken gegenüber dem 1. Januar 2020 zuletzt unverändert (1.09) zeigte, handelte der Dollar (0.89) 8% tiefer.
In jüngster Zeit sind die Rohstoffpreise massiv angestiegen. Das Rohöl der Sorte Brent wird derzeit zu etwas mehr als 51 Dollar pro Fass gehandelt. Das sind bereits 34% mehr als Ende Oktober. Es würde nicht erstaunen, wenn die Rohölnotierungen weiter nach oben tendieren würden.
Schliesslich werden wir im kommenden Jahr einen beispiellosen Wirtschaftsboom zu bewältigen haben. Zahlreiche aufs Eis gelegte Investitionen werden nachgeholt und sorgen vereinzelt schon in der Gegenwart für eine steile Nachfrage. Einkaufsmanager decken sich frühzeitig ein, doch für manchen ist es schon zu spät.
Ein verlässlicher konjunktureller Frühindikator ist jeweils der Kupferpreis. Dieser liegt bereits 25% höher als zu Jahresbeginn. Bei Aluminium ist es immerhin noch 11%, wobei sich da insbesondere die globale Nachfrage nach Aludosen im Lockdown niedergeschlagen hat.
Zum «neuen» Gold mausert sich in diesen Wochen allerdings Eisenerz. Der Spotpreis für eine Tonne hat sich seit Jahresbeginn von 91 Dollar auf über 160 Dollar um satte 80% erhöht. Zu den grossen Gewinnern zählen die grossen Bergwerkskonzerne in Westaustralien wie BHP Billiton und Rio Tinto mit ihrem qualitativ hochwertigen Erz. Sie sind die Hauptlieferanten Chinas, des grössten Stahlkochers der Weltwirtschaft.
Die Preisentwicklung hat selbst die australische Regierung überrascht. Doch sie sind auch die Folge der Desaster in brasilianischen Minen. Dort ist es kürzlich beim Erzriesen Vale erneut zu einem besorgniserregenden Arbeitsunfall gekommen. Auch chinesische Konzerne können es sich nicht mehr leisten, Rohstoffe aus Quellen zu erwerben, die nicht hohen Standards hinsichtlich Arbeitnehmer- und Umweltschutz genügen.
Die Zuger Rohstoffhandelsfirma Glencore, deren Aktienkurse im Frühjahr um mehr als 50% gefallen ist, sieht inzwischen auch wieder einer besseren Zukunft entgegen. Der Kurs liegt wieder auf Vorjahresniveau.
Liebe Kundinnen und Kunden, liebe Partner, liebe Mitarbeitende, liebe Freunde
Nach diesem anspruchsvollen Jahr, in dem vieles anders kam als erwartet, wünsche ich Ihnen von Herzen gute Gesundheit, viel Lebensfreude, Zuversicht, Gelassenheit und einen guten Rutsch ins 2021.
Ich hoffe, dass Sie die Tage mit Ihren Liebsten verbringen können, zusammen Zeit verbringen, kochen, backen, spielen, geniessen, innehalten, spazieren gehen und was das Herz sonst noch so begehrt.
Es ist für mich stets die beste Medizin, wenn es grad mal wieder etwas schwieriger ist.
Und sich selber nicht allzu wichtig und ernst nehmen hilft auch für gute Laune!
Herzlich, Timo Dainese