Wochenbericht 14/2020

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Hohe Schwankungen an den Märkten

Hohe Schwankungen an den Kapitalmärkten haben die vergangene Woche geprägt. Manche Anleger werden die Kurse zuhause stärker verfolgen als im «normalen» Alltag. Viel lässt sich derzeit nicht interpretieren, denn die realwirtschaftlichen Wogen sind gross und deren Ausgang unklar.

Gewiss ist nur eins: Man soll sich nicht durch News beeinflussen lassen und darf die Gewichtung der medialen Börsenberichterstattung nicht überbewerten. Über einen Rückgang an der Börse wie am vergangenen Montag wird gleich in der Hauptausgabe der Tagesschau berichtet. Dagegen war die massive Erholung an den Kapitalmärkten in den darauffolgenden Tagen nach den publizistischen Leitlinien von SRF ohne «Newsgehalt»: Darüber wurde nicht berichtet.

Selbstverständlich setzen wir uns mit den zugrundeliegenden Entwicklung intensiv auseinander. Jedes einzelne Unternehmen, ob wir in Aktien oder Anleihen investiert sind, wird laufend analysiert. Mediale «Störgeräusche» mit ihren reisserischen Überschriften versuchen wir auszublenden. Es ist gewiss nicht einfach, sich der Mainstream-Meinung zu entziehen und diszipliniert zu bleiben. Aber genau darin erkennen wir den Mehrwert einer langfristig angelegten Strategie und eines disziplinierten Vermögensverwalters.

In der vergangenen Woche erholten sich die Aktienmärkte. In den letzten Tagen beruhigte sich zudem der Markt der Anleihen. Beide Märkte sind miteinander verknüpft, allerdings nicht stabil. So kommt es immer wieder zu Anomalien, wie wir das am Beispiel von Stadler Rail, dem erfolgreichsten Schweizer Industrieunternehmen, veranschaulichen können. Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 10% eingebüsst. Die Obligation rund 8%. Typischerweise schwanken Anleihen viel weniger als Aktien, aber aktuell ist ohnehin vieles atypisch.

Anleihen haben in diesen Tagen und Wochen besonders schwierige Zeiten hinter sich. In einem rekordhohen Umfang, wie er weltweit überhaupt noch nicht beobachtet werden konnte, sind Anleihen veräussert worden.

Der Swiss Market Index (SMI), der am Nachmittag des 16. März 2020 sein bisheriges Mehrjahrestief von 7650 Punkten erreichte, beendete die vergangene Woche bei 8996 Punkten (+4.3% in der vergangenen Woche). Selbst weniger schwankungsanfällige Aktien wie Nestlé wogen innert weniger Tagen zwischen 83.37 CHF und 101.86 CHF hin und her. Bei Partners Group, zu Jahresbeginn mit 887.90 CHF gehandelt, waren in den letzten Tagen Kurse zwischen 525 CHF und 729 CHF verzeichnet worden. Bei rund 560 CHF haben wir in den einzeltitelbasierten Lösungen eine Aufstockung auf die Zielquote vorgenommen. «Rebalancing» nennt sich das im Fachjargon.

Thema der Woche: Gesetzmässigkeiten auf den Kapitalmärkten und Disziplin

Für Investoren hat sich über eine längere Zeit eine Reihe von Gesetzmässigkeiten entwickelt. Eine wichtige Gesetzmässigkeit besteht darin, kompromisslos auf die Qualität des zugrundeliegenden Geschäftsmodells einer Unternehmung zu achten. Eine gewichtige Komponente dieser Qualität besteht darin, ob ein Unternehmen auch in einer wirtschaftlich anspruchsvollen Zeit in der Lage ist, positive Cash Flows zu erzielen.

Auf den Aktienkurs braucht der langfristige Investor nicht zu schauen. Wenn ein Unternehmen gut läuft, werden die Dividenden zunehmen und die Aktienkurse werden folgen. Bei mehr als 70% der Unternehmen, in die wir investiert sind, ist im Frühjahr 2020 die Dividende erhöht worden. Das signalisiert mitten in der Corona-Krise, dass die Unternehmen fähig sind, nachhaltig und dauerhaft das gegenwärtige Niveau zumindest aufrechtzuerhalten. «Dividendenkapazität» nennen dies manche in ihren Finanzreportings.

Eine Gesetzmässigkeit, die sich daraus ableiten lässt, hat der legendäre Warren Buffett so zusammengefasst: Es ist bei weitem besser, ein herausragendes Unternehmen zu einem anständigen Preis zu kaufen, als ein anständiges Unternehmen zu einem herausragenden Preis. In seinem Investmentvehikel lagen zum letzten Berichtstermin mehr als 100 Milliarden Dollar Cash. Buffett ist bekannt dafür, dass er die Grundlagen für seine Vermögensvermehrung ausnahmslos immer in Rezessionen gelegt hat. Auch jetzt wird er gewiss wieder zu den grossen Investoren zählen. Möglicherweise hat er bereits einen Teil investiert, ein Teil liegt gewiss noch vor ihm, wenn die Rezession im zweiten Quartal 2020 einsetzt.

Ein weitere Gesetzmässigkeit betrifft das Rebalancing. Nicht nur auf der Ebene von Anlageklassen, sondern auch auf Einzeltiteln handelt es sich um eine bedeutende Quelle, um das Rendite-Risiko-Profil in einem Portfolio zu verbessern. Hierbei werden unterbewertete Titel aufgestockt und überbewertete Titel abgebaut. Ohne regelmässige Rebalancings würden Klumpenrisiken in einem Portfolio entstehen. Der Nutzen von Rebalancings ist akademisch dokumentiert und beträgt je nach Studie bis zu 1.0% jährlich.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

30. März 2020 Japan: Arbeitslosigkeit und industrielle Produktion Februar
31. März 2020 Deutschland: Arbeitslosigkeit März
1. April 2020 USA: ISM Manufacturing Index März
2. April 2020 USA: Arbeitslosenanträge April

Kommentar

Diese sehr schwierigen Zeiten binden uns derzeit in ungewohntem Umfang ans Zuhause. Das mag stressig sein. Trotz aller Widrigkeiten unternehmen wir alles, um Sie zu unterstützen. Wir sind selbstverständlich täglich wie gewohnt erreichbar, viele von uns aus dem Homeoffice.

Vielleicht kommt bei dieser Gelegenheit auch ein Moment der Musse auf. Diesen gilt es zu nutzen, um Themen aufzuarbeiten, auf die wir an den vergangenen Anlässen immer wieder hingewiesen haben. Da wäre beispielsweise der Vorsorgeauftrag. Wer infolge einer schweren Erkrankung plötzlich nicht mehr selber für sich sorgen kann, ist auf die Hilfe Dritter angewiesen. Mittels eines Vorsorgeauftrags kann jede urteilsfähige Person sicherstellen, dass dann jemand anderes die notwendigen Angelegenheiten erledigen kann. Sehr oft können dann Massnahmen der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden KESB, die meist mit zusätzlichem Aufwand und Kosten verbunden sind, vermieden werden.

Ein weiteres Thema ist die Finanz- oder Pensionsplanung. Durch eine gute Finanzplanung bleibt man flexibel. Eine gute Finanzberatung ist äusserst wertvoll und ermöglicht, auch in schwierigen Zeiten den Fokus nicht zu verlieren. Und möglicherweise eröffnen sich darin auch Bedürfnisse nach einem passgenauen Aufbau (oder auch Abbau) von Vermögen, um entspannt in die Zukunft zu blicken. Vielleicht ist es jetzt der richtige Moment, um das eine und/oder andere Thema mit Ihrem Finanzberater (z.B. über Videokonferenz, Facetime) anzugehen?

Wir wünschen Ihnen und Ihren Liebsten gute Gesundheit und viel Kraft, Zuversicht und Gelassenheit.
Herzlich, Timo Dainese

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.19
SMI 8'996.4 –15.3%
SPI 10'932.2 –14.8%
DAX € 9'632.5 –27.3%
Euro Stoxx 50 € 2'728.7 –27.1%
S&P 500 $ 2'541.5 –21.3%
Dow Jones $ 21'636.8 –24.2%
MSCI EM $ 842.5 –24.4%
MSCI World $ 1'827.2 –22.5%
Obligationenmärkte Seit 31.12.19
SBI Dom Gov TR 233.3 –0.9%
SBI Dom Non-Gov TR 113.0 –5.4%
Immobilienmärkte Seit 31.12.19
SXI RE Funds 398.7 –8.6%
SXI RE Shares 2'847.5 –13.0%
Rohstoffe Seit 31.12.19
Öl (WTI; $/Bbl.) 21.5 –64.8%
Gold (CHF/kg) 49'816.9 +5.3%
Wechselkurse Seit 31.12.19
EUR/CHF 1.0600 –2.3%
USD/CHF 0.9517 –1.5%
EUR/USD 1.1141 –0.8%
Kurzfristige Zinsen
3M Prog. 3M Prog. 12M
CHF –0.67 −0.9 - −0.7 −0.8 - −0.7
EUR –0.29 −0.8 - −0.5 −0.6 - −0.4
USD +1.45 +0.3 - +0.6 +0.6 - +0.8
Langfristige Zinsen
10-Jahre Prog. 3M Prog. 12M
CHF –0.31 −1.2 - −0.8 −0.8 - −0.5
EUR –0.48 −1.0 - −0.6 −0.7 - −0.4
USD +0.67 +0.3 - +1.0 +0.9 - +1.4
Teuerung
2020P 2021P 2022P
Schweiz –0.5% 110.0% 120.0%
Euroland +0.2% 180.0% 190.0%
USA +0.6% 200.0% 220.0%
Wirtschaft (BIP real)
2020P 2021P 2022P
Schweiz –2.0% +1.4% 150.0%
Euroland –3.5% 180.0% 200.0%
USA –1.0% 200.0% 220.0%
Global +0.5% 320.0% 320.0%
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