Wochenbericht 07/2020

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Gelassenheit kehrt zurück

Der Nachrichtenfluss rund um die Ausbreitung des Coronavirus hat den Aktien- und Anleihensmärkten Auftrieb gegeben. Der Swiss Market Index (SMI) beendete die vergangene Woche bei 11’001 Punkten. Das sind 3.6% mehr als zu Jahresbeginn und entspricht einem Plus von 3.5% in der vergangenen Woche.

Wie wenn ein Schalter umgelegt würde, hat sich in der vergangenen Woche der Modus von «Risiko nein» zu «Risiko ja» geändert. Daraus resultierte die beste Woche seit langem. Alle Portfolios der Zugerberg Finanz Anlagelösungen wurden ins positive Territorium seit Jahresbeginn gehievt. Das war in erster Linie den Aktien zu verdanken, aber auch den Unternehmensanleihen. Unerschüttert von allen Wogen blieben europäische Infrastrukturtitel.

Infektionskrankheiten haben in China leider eine langjährige «Tradition». Deren Verbreitung in der Winterzeit ist kein Zufall. Das Virus, das im November 2002 Sars verursacht hat, gehörte ebenfalls zur Familie der Coronaviren. Sie rufen bei Menschen in der Regel nur leichte Erkältungen hervor. Aber seltene Formen davon, alle von Wildtieren her stammend, können das im winterlich kalten China (keine Heizungen in den Wohnungen) ohnehin geschwächte Immunsystem entscheidend schwächen.

Dem Verzehr von exotischen Wildtieren wird teils eine potenzstärkende, teils eine heilende Wirkung zugeschrieben. Es ist ein Milliardenmarkt in China. Die Zucht wie auch der Vertrieb finden oftmals unter fürchterlichen Bedingungen statt. Die hygienischen Verhältnisse auf den illegalen Wildtier-Märkten – wie beispielsweise auf dem Huanan-Markt in der zentralchinesischen Millionenstadt Wuhan – sind katastrophal. Unter unwürdigen Bedingungen werden lebende Wolfswelpen, Füchse, Krokodile, Pfauen, Fledermäuse und Salamander angeboten. Kadaver wird im Müllcontainer «entsorgt». Man fand inzwischen in 33 von 585 Proben an 22 Verkaufsständen auf dem Tiermarkt in Wuhan entsprechende Viren. Der Ausbruch überrascht die Virologen deshalb nicht.

Solange China nicht entschieden und hart gegen illegale Märkte und den Handel mit lebenden Wildtieren vorgeht, werden sich diese in den dicht bevölkerten Städten immer wieder zu epidemiologischen Brutstätten entwickeln. Es obliegt nun der in Genf ansässigen Weltgesundheitsorganisation, der chinesischen Führung die klare Botschaft zu überbringen. Nur sie kann das Gesetz zum Schutz wildlebender Tiere reformieren und das Verbot von deren Verzehr durchsetzen.

Thema der Woche: Der US-Arbeitsmarkt ist intakt

Die Zeichen einer konjunkturellen Erholung setzen sich fort. Daran mag auch das Coronavirus nichts ändern, obschon es in einzelnen Branchen (Öl, Luftfahrt, Automobil, China-Tourismus) weiterhin für Unsicherheit sorgt und in diversen Gebieten etablierte, globale Lieferketten aus dem Lot gebracht hat. Solche Nachrichten haben auf den für schlechte Botschaften besonders anfälligen Anleihensmärkten enorme Beachtung gefunden.

Inzwischen weisen weltweit Anleihen im Umfang von 14’000’000’000’000 Franken eine negative Verfallsrendite auf. In der Schweiz liegt die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen bei -0.7% und in Deutschland bei -0.4% (in Euro). Der Schweizer Franken als «sicherer Währungshafen» hat sich seit Jahresbeginn gegenüber dem Euro um 1.5% aufgewertet. Interessant ist, dass sich die «Krisenwährung» Gold in den letzten 30 Tagen kaum verändert hat.

Gute konjunkturelle Daten und solide Unternehmensabschlüsse mit Aussichten auf Dividendenerhöhungen haben dafür gesorgt, dass sich wieder Optimismus auf den Aktienmärkten verbreitete, insbesondere bei dividendenstarken Titeln.

Mit Freude ist auch die Gewissheit entgegengenommen worden, dass das Lohnwachstum in den USA auch im noch jungen Jahr 2020 erneut bei 3.1% lag. Der Stellenaufbau von rund 2.0 Millionen im Jahr 2019 und 225’000 im Januar 2020 fiel äusserst robust aus. Die Arbeitslosenquote blieb bei tiefen 3.6% und fiel bei den Frauen auf den tiefsten Wert sei 1953. Mehr Beschäftigung bei steigendem Stundenlohn führt letztlich zu mehr Haushaltseinkommen und damit auch mehr Konsum. Mit den Plänen, die Steuerbelastung im Mittelstand zu reduzieren, könnte die US-Regierung diesen Effekt im laufenden Jahr noch erhöhen.

Dennoch gehen wir derzeit von einem leicht tieferen Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) in den USA aus. Das ist teilweise dem Rückgang im Flugzeugbau verschuldet, dem wichtigsten Exportgut der US-Wirtschaft. Der Hersteller Boeing sorgt mitsamt allen Zulieferbetrieben durch die Stilllegung der Produktion des langjährigen Verkaufsrenners «737 MAX» für einen spürbaren Rückgang des US-BIP.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

10. Februar 2020 China: Kerninflation und Inflation Januar
12. Februar 2020 Eurozone: Industrielle Produktion Januar
13. Februar 2020 USA: Kerninflation und Inflation Januar
14. Februar 2020 USA: Detailhandel Januar, Universität Michigan Sentiment Februar

Nachrichten

Das pulsierende Leben im sonnigen New York ist gewiss auch der angenehmen Februar-Temperatur von 13 Grad zuzuschreiben. An der Wall Street ist die Stimmung optimistisch und von Zuversicht geprägt. Die Virussorgen verbreiten sich nicht mal im Chinatown, das gegenüber den chinesischen Wildtiermärkten sauber und aufgeräumt daherkommt.

Rund um den Times Square wird man von der amerikanischen Kaufleidenschaft eingefangen. Etwas leerer als früher zeigt sich dagegen der mondäne Einkaufstempel Bloomingdale. Die Online-Welt ringt dem stationären Detailhandel unablässig Marktanteile ab.

Über der stark binnenwirtschaftlich ausgerichteten US-Volkswirtschaft bleibt die Unsicherheit wegen des Einflusses der Grippeepidemie bestehen. Daran musste aber der US-Zentralbankchef Jerome Powell erinnern. Im Alltag ist nichts ausser Optimismus zu spüren.

Der Risikoappetit ist gestiegen, weil der meistbeachtete Vorlaufindikator in den USA, der ISM Manufacturing Index, im Januar unerwartet von 47.8 auf 50.9 Punkte gesprungen ist und damit erstmals seit Juli 2019 wieder über der Beschleunigungsschwelle von 50 Punkten liegt. Aber sorgenfrei ist die Zuversicht nicht, derzeit ist sie einfach ausbalanciert.

Herzlich aus New York,
Maurice Pedergnana

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.19
SMI 11'001.5 +3.6%
SPI 13'280.4 +3.5%
DAX € 13'513.8 +2.0%
Euro Stoxx 50 € 3'798.5 +1.4%
S&P 500 $ 3'327.7 +3.0%
Dow Jones $ 29'102.5 +2.0%
MSCI EM $ 1'091.6 –2.1%
MSCI World $ 2'404.8 +2.0%
Obligationenmärkte Seit 31.12.19
SBI Dom Gov TR 241.6 +2.6%
SBI Dom Non-Gov TR 120.5 +0.9%
Immobilienmärkte Seit 31.12.19
SXI RE Funds 462.0 +5.9%
SXI RE Shares 3'527.2 +7.7%
Rohstoffe Seit 31.12.19
Öl (WTI; $/Bbl.) 50.3 –17.6%
Gold (CHF/kg) 49'363.6 +4.3%
Wechselkurse Seit 31.12.19
EUR/CHF 1.0701 –1.4%
USD/CHF 0.9777 +1.2%
EUR/USD 1.0946 +4.3%
Kurzfristige Zinsen
3M Prog. 3M Prog. 12M
CHF –0.69 −0.8 - −0.7 −0.8 - −0.7
EUR –0.42 −0.4 - −0.3 −0.2 - −0.1
USD +1.73 +1.8 - +2.1 +1.8 - +2.1
Langfristige Zinsen
10-Jahre Prog. 3M Prog. 12M
CHF –0.67 −0.6 - −0.4 −0.2 - −0.1
EUR –0.39 −0.4 - −0.1 −0.0 - −0.4
USD +1.58 +1.6 - +1.9 +1.9 - +2.2
Teuerung
2020P 2021P 2022P
Schweiz +1.0% +1.1% +1.2%
Euroland +1.6% +1.8% +1.9%
USA +1.6% +2.0% +2.2%
Wirtschaft (BIP real)
2020P 2020P 2022P
Schweiz +1.4% +1.5% +1.5%
Euroland +1.4% +1.8% +2.0%
USA +1.6% +2.0% +2.2%
Global +3.0% +3.2% +3.2%
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