Es holpert wieder einmal

In eigener Sache

In den vergangenen Tagen sind die Aktienmärkte rund um den Globus unter Druck geraten, nach einem soliden Start ins Jahr 2018. Die grössten Verwerfungen hat der US-Aktienmarkt erfahren, wo Computerhandel und Stop Loss Transaktionen den Markt geprägt haben. Der Dow Jones hat am Montag, 5. Februar, 4.6% verloren; zwischenzeitlich hatte der Index mehr als 1‘600 Punkte eingebüsst, was auf Punktebasis die grösste Tagesbewegung der Geschichte bedeutete.  Beim S&P 500 Index betrug der Verlust 4.1%. Das tönt dramatisch – ist es aber nicht. Denn damit steht der breite US-Index, der häufig als Messlatte des weltweiten Börsengeschehens dient, seit Jahresbeginn nur 0.9% im Minus.

In Asien und in Europa sind die Aktienkurse nach den Vorgaben der Wall Street ebenfalls unter Druck geraten. Der Swiss Market Index (SMI) schloss am Montag auf 9’100 Punkten und hat heute Dienstag im Gleichschritt mit anderen Aktienmärkten um 3.5% tiefer eröffnet.

Die Turbulenzen sind in erster Linie auf steigende Zinsen in den USA zurückzuführen. Der Arbeitsmarkt ist äusserst robust, und zuletzt deutete sich an, dass der Lohndruck in den USA leicht zunehmen könnte. Allerdings auf tiefem Niveau: Wir reden hier von Lohnsteigerungen von bis zu 2% in gewerkschaftlich organisierten Industrien, nicht mehr. Die damit verbundenen Inflationserwartungen und Zinserhöhungsfantasien haben genügt, um die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen innert kürzester Zeit von 2.4% auf 2.9% am letzten Freitag ansteigen zu lassen. Diese Bewegung sowie die Unsicherheit, wie es mit den Zinsen weitergeht, haben zu Gewinnrealisierungen bei Aktien geführt. Mit diesem Zinsanstieg zeigte sich in den USA folgendes Bild: Auf sogenannt risikolose US-Staatsanleihen erhält man heute wieder 2.9% Zins, während die Dividendenrendite der US-Aktien lediglich 1.9% beträgt. Wenig erstaunlich, schichtet da der eine und andere Anleger aus US-Aktien in die Obligationen um.

In Europa zeigt sich ein komplett anderes Bild, wenn auch hier die Zinsen etwas gestiegen sind in den vergangenen Tagen. In der Eurozone beträgt die Rendite auf 10jährige Staatsanleihen 0.9%, und die Dividendenrendite beträgt 3.2%. In der Schweiz beträgt die Rendite auf 10-jährige Eidgenossen 0.1%, und die Dividendenrendite beträgt 3.0%. Aktien sind also nach wie vor deutlich lukrativer als Anleihen, welche nicht einmal die Inflation erwirtschaften. An der mittel- und langfristigen Attraktivität von Aktien hat sich in Europa somit nichts geändert.

Nach einem fast ununterbrochenen Anstieg der Aktien im vergangenen Jahr hat am letzten Freitag und insbesondere gestrigen Montag ein gesundes Gewitter stattgefunden. Wir glauben nicht, dass es zu einer fundamentalen Veränderung der Anlegerstimmung kommen wird. Vielmehr bleiben wir vom robusten Wachstum der Weltwirtschaft überzeugt. An diesem Wachstum hat sich in den vergangenen Tagen nichts geändert. Das Wachstum wird mittelfristig auch in Europa höhere Zinsen mit sich bringen. Weltweit planen diverse Zentralbanken ihre Schritte, um allmählich vom geldpolitischen Krisenmodus zurück zu einer Zeit mit nicht manipulierten, «normalen» Zinsen zu finden. Das spricht für die kräftige Wirtschaft mit steigenden Unternehmensumsätzen und –gewinnen. Höhere Zinsen sind nicht per se schlecht. Sie sind das Ergebnis einer soliden Realwirtschaft. Ob der Börsenkurse dürfen wir nicht vergessen, dass wirtschaftlich «gute Nachrichten» in erster Linie «gute Nachrichten» sind. Als Folge davon wird die langersehnte Zinswende immer deutlicher erkennbar. Und das ist gut so. Wenn die Konjunktur läuft, wollen Unternehmen investieren und es steigt die unternehmerische Nachfrage nach Kapital. Wenn beispielsweise die US-Konsumenten so ausgabefreudig sind wie heute, und sie trotz Zinsen von mehr als 2% wenig als Sparbeitrag zur Seite legen, dann müssen die investierenden Unternehmen den Kapitalbedarf mit Anleihen, die sie auf dem Kapitalmarkt auflegen, decken.

Die Berichtssaison bleibt nach wie vor erfreulich, die geschätzten Unternehmensgewinne für die Jahre 2018 und 2019 werden vielerorts laufend aufwärtsrevidiert – in einem Umfang und Ausmass, wie wir es seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Gerade vor diesem Hintergrund betrachten wir die momentanen Marktpreise bei diversen Aktien als Kaufgelegenheit – insbesondere in der Schweiz und in Europa. Wenn es holpert, macht man in der aktiven Verwaltung den Unterschied – siehe 15. Januar 2015 (Aufhebung EUR-Untergrenze durch SNB), 23. Juni 2016 (Brexit Vote), 9. November 2016 (Trump Wahl).

Gerne halten wir Sie in den kommenden Tagen auf dem Laufenden.

 

                                  

Timo Dainese                                                              Maurice Pedergnana
Gründer und Geschäftsführender Partner                  Chefökonom und Geschäftsführender Partner

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