Dieter Behring verurteilt

Presse

Mindestens 800 Millionen Franken Schaden. Mindestens 2000 Geschädigte. 12 Jahre Ermittlungen. Nun ist Dieter Behring endlich verurteilt worden. Der Financier hatte sichere Rekordrenditen versprochen. Und selbst in Saus und Braus gelebt. Viele Menschen haben gutgläubig ins «Handelssystem Behring» investiert und Geld verloren. Nicht alle Geschädigten hatten Anzeige erstattet, bei manchen war es Schwarzgeld. Die Geschädigten stammen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten: Von der Kleinkinderzieherin über den Rentner, der seine Altersvorsorge verloren hat, bis zu sehr vermögenden Angehörigen des Basler «Daigs»; Ärzte, Piloten und Professoren haben investiert. Dieter Behring sagt bis heute, sein selbstentwickeltes, vollcomputerisiertes Trading-System bringe zweistellige Traumrenditen. 2004 kamen Zweifel an Dieter Behrings Geschäftpraktiken auf. Anleger forderten ihr Geld zurück. Doch der allergrösste Teil war weg. Seither wurde ermittelt. Die Verfahrensdauer von 12 Jahren ist extrem lang und liegt nicht weit unter der absoluten Verjährungsfrist für die vorgeworfenen Delikte von 15 Jahren.

Die lange Verfahrensdauer brachte der Bundesanwaltschaft viel Kritik ein. Denn die Bundesverfassung und die europäische Menschenrechtskonvention verlangen, dass Strafverfahren innert einer angemessenen Frist abgeschlossen werden. Die Akten zum Fall Behring füllen einen ganzen Keller in der Bundesanwaltschaft. 2000 Bundesordner seien es in etwa, sagte Bundesanwalt Lauber 2014 in einem Rundschauinterview. Die umfangreichen Akten trugen zu der langen Verfahrensdauer bei. Einen Teil der Dokumente musste die Bundesanwaltschaft in mühseligen Rechtshilfeverfahren mit Staaten in der Karibik auftreiben. Dieter Behring hat massgeblich zu der langen Ermittlungsdauer beigetragen, sagte der verfahrensführende Staatsanwalt des Bundes, Tobias Kauer, in seinem Plädoyer. 58 Beschwerden habe der Beschuldigte eingereicht. 90 Prozent davon seien abgewiesen worden.

Wo blieb das Geld? Umgerechnet rund 100‘000 Franken liess Dieter Behring im Londoner Gourmet-Restaurant «Pétrus» liegen, hauptsächlich für exklusiven Wein. Das enthüllte die «Sunday Times» im April 2004. Fast eine Million Franken hat Dieter Behring an einem einzigen Tag an das Bijouterie-Unternehmen Patek Philippe überwiesen. Laut Anklageschrift geschah dies am 17. Dezember 2002. Behring sammelte exklusive Uhren. Insgesamt gab der Financier über 5 Millionen Franken aus für Uhren und Schmuck.12’000 Weinflaschen aus Behrings Keller wurden beschlagnahmt. Die Weinsammlung war exklusiv und wurde im Jahr 2007 für 5,4 Millionen Franken versteigert. Seine Liegenschaft an der Petersgasse in Basel hat Behring für 30 Millionen Franken aufwendig umgebaut, inklusive Hallenbad im Keller. Das Haus und andere verbliebene Sach- und Geldwerte Behrings wurden beschlagnahmt.

Was ist aus dem Fall zu lernen? SRF1-Wirtschaftsredaktor Marcel Jegge befragte Dr. Prof. Maurice Pedergnana in der Wirtschaftssendung Trend.

Hören Sie das Interview mit Prof. Dr. Maurice Pedergnana als Postcast– gesendet auf SRF am Samstag, 1. Oktober 2016, 8.30 Uhr auf SRF1

Podcast-Sendung Trend

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