Erwartungsgemäss hat der Offenmarktausschuss der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) die Leitzinsen nicht verändert. An der gestrigen Medienkonferenz war der Entscheid von der Fed-Vorsitzenden Janet Yellen erläutert worden. Derzeit lässt sich noch nicht viel prophezeien zum Ausgang zur nächsten zweitägigen Sitzung, die im Dezember 2016 stattfinden wird: Eine Zinserhöhung scheint wahrscheinlich, falls der Arbeitsmarkt weitere Verbesserungen zeigt und nicht neue Risiken auftauchen, welche die Finanzstabilität erschüttern könnten.
Die Fed behält derzeit den akkommodierenden Kurs in der amerikanischen Geldpolitik bei. Das Timing, um von diesem Kurs abzuweichen, stand im Zentrum der Entscheidungsträger. Einstimmig war das Gremium nicht. Drei stimmberechtigte Mitglieder wollten die Leitzinsen um 0.25% erhöhen, sieben (noch) nicht. Diese sähen allerdings auch, dass die Argumente für eine Zinserhöhung stärker geworden seien.
Die Fed wolle ihren Entscheid keinesfalls als Misstrauensvotum gegenüber der US-Wirtschaft sehen, betonte Yellen. Vielmehr sähe die Fed zahlreiche positive Entwicklungen und blicke der Zukunft optimistisch entgegen. Die Konsumausgaben hätten zum moderaten BIP-Wachstum beigetragen – stabil, aber eben nicht beschleunigend. Das liesse sich auch auf das Lohnwachstum und die Teuerung in den USA übertragen. Unter dem Strich erwarte die Fed ein stabiles, moderates Wachstum von real 1.8% (2016).
Wir haben dies im Sommer 2016 als Schildkrötenwachstum bezeichnet. Doch langsam scheint die Wachstumsrate zu steigen. Mit 2.0% Wachstum des BIP liegen die Erwartungen der Fed auch für die kommenden zwei Jahre deutlich in der positiven Zone. Von einer Rezession ist die grösste Volkswirtschaft der Welt nach Einschätzung der Fed weit entfernt. Der Wachstumspfad der letzten Jahre wird beibehalten, ein Einbruch wie 2008 ist überhaupt kein Thema (vgl. BIP-Wachstum). Mit einer Mischung aus klassischer und unkonventioneller Geldpolitik hat die Fed nach der Finanzkrise Schlimmeres verhütet. Nun gilt dieser Auftrag als erfüllt. Da jedoch keine sich beschleunigende Inflation festgestellt wird, lässt sich die Fed mehr Zeit beim Pfad der zu erwartenden Leitzinserhöhungen.
Bei der Arbeitslosenrate wird ein weiterer Rückgang auf 4.5% erwartet. Das ist so tief wie selten zuvor in den letzten 50 Jahren. Die Fed wartet in den kommenden Monaten «mehr Evidenz» ab, um nächste Schritte vorzunehmen. Eine weitere Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt sei notwendig, auch die Inflation müsse sich 2% nähern, um einen nächsten Schritt vorzunehmen.
Die Argumentation mag auf den ersten Blick etwas irritierend wirken. Die Arbeitslosigkeit ist von mehr als 10% auf unter 5% gefallen und liegt für US-Verhältnisse auf einem tiefen Niveau. Das Wirtschaftswachstum nähert sich wieder dem längerfristigen Trend, und dennoch werden die Leitzinsen mit einer Bandbreite von 0.25% bis 0.5% äusserst tief und weit unter dem Gleichgewichtszinsniveau gehalten. Dabei ist der nächste Zinsschritt eher symbolischer Natur. Der LIBOR-Zinssatz, zu dem sich die Banken untereinander US-Dollar ausleihen und auf dem zahlreiche kurzfristige Kreditgeschäfte basieren, liegt bereits bei 0.8% bis 0.9%.
Zahlreiche Ökonomen rechnen mit leichten, aber nicht wesentlichen Zinserhöhungen in den kommenden 12 Monaten. Das Tempo der Zinserhöhungen durch die Fed dürfte in den kommenden zwei Jahren deutlich gedrosselt werden. Das war die wohl wichtigste Botschaft.
Derzeit liegen die Inflationserwartungen tief, übrigens nicht nur in den USA, sondern weltweit. Die Geldpolitik der Fed hat die Finanz- und Kapitalmärkte bewegt, in den kommenden Quartalen dürfte sich der Fokus wieder vermehrt auf die Strukturpolitik sowie auf unternehmerische Fundamentalwerte verlegen.
Nach der gestrigen Sitzung bleibt klar, dass das Zinsrallye der letzten Wochen vorerst beendet ist. Durch den Anstieg der Zinskurve am langen Ende hat beispielsweise die 10jährige Staatsanleihe in Deutschland 6.6% verloren. Was gelten auf dem Anleihenmarkt als wichtigste Folgerungen:
Für amerikanische Aktien wird die Zukunft nicht wesentlich beeinflusst:
Im Weiteren ist zu erwarten:
Für europäische Unternehmen ist zu folgern:
Wir werden in den kommenden Wochen punktuelle Veränderungen vornehmen und sehen uns mit dem gestrigen Entscheid der Fed in unserer strategischen Asset Allokation insgesamt bestätigt. Mit Zuversicht blicken wir den kommenden Quartalen entgegen.