Devisen- und Goldmanipulation?

Am Montagmorgen wurde bekannt, dass die Wettbewerbskommission Weko eine formelle Untersuchung wegen möglicher Absprachen in Devisenhandel gegen acht Banken eröffnet hat. Darunter auch vier Schweizer Institute: Credit Suisse, UBS, Julius Bär und die ZKB. Plus die ausländischen Banken J.P. Morgan, Citigroup, Barclays und Royal Bank of Scotland.

Devisenkursmanipulationen könnten sich für die Banken als weitaus grösseres Problem entpuppen, als bisher angenommen: Dies sagt auch Maurice Pedergnana, geschäftsführender Partner der Zugerberg Finanz AG. Sämtliche Referenzkurse im Blick zu behalten, sei für einen grossen Bankkonzern extrem schwierig. «Die Weko hat realisiert, dass es im Bankgeschäft eine Unzahl anfälliger Felder gibt», sagt er. Selbst die Währungsgebühren bei Kreditkartenanbietern könnten ein Thema sein.

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Zu den möglichen Geschädigten gehören laut Pedergnana auch Fondsgesellschaften, die zur Abwicklung der Transaktionen auf ihre Depotbank angewiesen sind. Die Depotbank organisiert hierbei den Kauf und Verkauf von Wertpapieren und kümmert sich nicht selten auch um die Währungsabsicherung der Fonds, die in mehreren Währungen aufgelegt sind. Laut Maurice Pedergnana sind Preisabsprachen auch hier möglich: Etwa, wenn Banken übereinkommen, standardmässig einen bestimmten «Spread» (d. h. eine Differenz) zwischen Kauf- und Verkaufskurs bei einem Währungspaar anzuwenden, obwohl sie dem Kunden eigentlich auch vorteilhaftere Konditionen offerieren könnten.

Könnte neben der möglichen Devisenmanipulation auch der Gold- und Silbermarkt von Manipulationen betroffen sein? «Diese Märkte sind besonders anfällig auf Manipulationen», sagt Prof. Dr. Roger Rissi, Verwaltungsrat der Zugerberg Finanz AG, und begründet dies mit dem antiquierten Preisfestsetzungsmechanismus.

«Beim Goldmarkt ist es so, dass wir eine klassische Auktion haben. Speziell ist, dass dieser Auktionsprozess unreguliert ist», kritisiert Prof. Dr. Roger Rissi. Das heisst, die teilnehmenden Banken können während des Preisfindungsprozesses mit Gold und Derivaten handeln.

Einen Börsenhandel wie bei den Aktien einzuführen, hätte Vor- und Nachteile, sagt das Verwaltungsratsmitglied der Zugerberg Finanz AG. «Ein gewichtiger Nachteil dürfte sein, dass man sich ähnlichen Problemen aussetzt, wie wir sie beim Aktienhandel feststellen: Dass ein Grossteil des Handelsvolumens durch algorithmisches Handeln mit Computern bestimmt wird. Die Folgen wären Preisausschläge, die jeder ökonomischen Logik entbehren», so Roger Rissi weiter.

Das Rezept, um einen solch unregulierten Markt in den Griff zu kriegen, liegt seiner Meinung nach in schärferen Governance-Richtlinien. Der Hochschulprofessor fordert deshalb schärfere Richtlinien für die Instanzen, welche die Tagesendkurse von Gold und Silber berechnen. Zudem brauche es schärfere Vorschriften für die teilnehmenden Banken, sagt Roger Rissi, «weil es offensichtlich immer wieder zu Konflikten zwischen den Interessen der Bank und der Kunden kommt».

Interesse geweckt?
Lesen Sie weiter – den Beitrag in 10 vor 10 mit Prof. Dr. Maurice Pedergnana finden Sie hier, den Zeitungsartikel in der Tageszeitung finden Sie hier, den Zeitungsartikel in der Handelszeitung finden Sie hierund den Zeitungsartikel in der Basler Zeitung finden Sie hier.

Lesen und Hören Sie weiter – das Interview mit Prof. Dr. Roger Rissi in Echo der Zeit finden Sie hier.
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