Nach Markowitz’ moderner Portfoliotheorie müssten wir eine Assetklassen-, Länder- und Währungsdiversifikation vornehmen. Das war 1952. Durch die Diversifikation auch in verschiedenste Währungen liesse sich das Risiko der Vermögensanlage reduzieren. Aber soll der Schweizer Investor seine schwer erarbeiteten Mittel der stabilsten Währung der letzten 100 Jahre einfach in instabilere Währungen investieren? Reichen die allfällig in Aussicht gestellten höheren Dividenden und Coupons aus, um die Wahrscheinlichkeit der Währungsabwertung zu kompensieren? Das sind beileibe nicht nur theoretische Fragestellungen.
Kundinnen und Kunden, teils auch Finanzberater, haben sich vor zwei Jahren, aber auch noch in den letzten Quartalen, an uns gewendet, wie wir die Lage in Europa einschätzen würden. Bei teils völliger Unsicherheit kam es zu klärenden Gesprächen und aufschlussreichen Sitzungen; in gewissen Fällen gab es auch Wechsel in konservativere Risikoklassen und Anlagestrategien. Das ist auch okay und letztlich Kern unserer Dienstleistung: In Zeiten von grosser Unsicherheit ist in verschiedenen Szenarien zu denken (kurz-, mittel- und langfristig) und die besorgte Kundschaft persönlich darüber zu informieren. Aber die Einschätzung der subjektiven Risikoneigung dürfen wir als Vermögensverwalter nie selbst treffen – das ist und bleibt Sache des Klienten. Es handelt sich um den geradezu zentralen Ausgangspunkt für den Kernauftrag des Kunden an die Zugerberg Finanz AG. Sodann bleibt die Umsetzung. Da ist klar, dass beispielsweise in einer sicherheitsorientierten Risikoklasse 1 der Euro eine geringe Rolle und in der ertragsorientierten Risikoklasse 3 eine bedeutendere Rolle spielt.
Nach einer vertieften Analyse und auch in Absprache mit dem Zugerberg Wirtschafts- und Finanzbeirat blieben wir unserer Einschätzung stets treu: Es würde auch in der Eurozone zu einer Besserung kommen, und es spricht wenig dafür, dass der Aussenwert des Euro abnehmen sollte. Wenn aus der Sicht eines Schweizer Investors eine zentrale Währung zu vermeiden sei, dann eher der US-Dollar und das britische Pfund.
In einem Interview mit Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank http://www.ecb.europa.eu/press/html/index.en.html (EZB), hat dieser kürzlich mit einer Klarheit zum Euro Stellung genommen, wie man das selten von einem Zentralbanker hört. Vor eineinhalb Jahren hatte er in seiner berühmten Londoner Rede angekündigt, „alles Notwendige“ zu tun, um den Euro zu retten. Das hiess: Im Notfall auch die Staatsanleihen von Krisenländern aufzukaufen und milliardenschwere Risiken zu übernehmen. Nouriel Roubini http://www.economonitor.com/nouriel/ und andere Gurus wetteten auf den Zerfall des Euro, verhöhnten die EZB und prophezeiten die Erstarkung des Dollars.
Quelle: Zugerberg Finanz AG; Bloomberg
Eingetreten ist das Gegenteil. Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass bisherige Krisenländer wie Irland oder Portugal den Rettungsschirm verlassen und die Risikoaufschläge für Kredite an Krisenländer in Südeuropa zurückgehen. Aus allen Teilen der Welt wird wieder in Europa investiert, so dass die meisten finanzwirtschaftlichen Daten sich in die richtige Richtung zu drehen begonnen haben. Natürlich ist die Krise noch nicht überwunden, aber es gibt vielenorts ermutigende Zeichen. Die Haushaltsdefizite in der Eurozone sinken, die Ungleichgewichte im europäischen Handel nehmen ab, und selbst in Griechenland ist eine gewisse Verbesserung nicht zu übersehen. Das bewog Mario Draghi, jüngst mit seinen Kritikern in Deutschland hart ins Gericht zu gehen: „Jedes Mal hiess es, um Gottes willen, dieser Italiener zerstört Deutschland. Es gab diese perverse Angst, dass sich die Dinge zum Schlechten entwickeln, aber das Gegenteil ist passiert. Die Inflation ist niedrig, und die Unsicherheit hat sich verringert.“ (Der Spiegel, 30.12.2013 http://www.spiegel.de/politik/ausland/muenchhausen-mario-draghi-ueber-die-deutsche-angst-vor-inflation-a-942194.html)
In Deutschland wurden Draghis Vorwürfe nicht goutiert. Verbreitete Sorgen und berechtigte Bedenken vor einem Währungszerfall seien ernst zu nehmen. Wir tun das übrigens auch, und wir verzichten auch auf Wetten, wonach zum Beispiel der US-Dollar am Ende des Jahres bei 1.10 oder 1.15 stünde. Auf wirklich lange Sicht wird er deutlich tiefer liegen.
Auch deswegen investieren wir von der Zugerberg Finanz AG die uns anvertrauten Mittel gestern, heute und morgen vorwiegend in Schweizer Franken, einen Teil in der Eurozone, und relativ wenig ausserhalb. Wir wenden uns von Markowitz ab und setzen nicht auf eine Währungsdiversifikation. Wer den harten Schweizer Franken gegen eine andere Währung tauscht, muss früher oder später eine deutliche Abwertung in Kauf nehmen. In einem einzigen Jahr können das 10 bis 30 % sein (2013: z.B. japanischer Yen, brasilianischer Real, australischer Dollar), über zehn Jahre sogar 90 % (2004-2013: z.B. türkische Lira).
Erstaunlich, aber für uns nicht überraschend war, dass sich im Jahr 20013 die Währungen nah an der Eurozone (Bulgarien, Rumänien, Polen, Ungarn) ähnlich stabil wie auch der chinesische Renminbi verhalten haben. Die Unterschiede dürften aber auch 2014 erneut gross werden. Darüber und über weitere Einschätzungen und das Erfordernis der differenzierten Analyse berichten wir an den nächsten Anlässen am Fusse des Zugerbergs.