Chartanalysen: Trend-Fetischismus oder nüchterne Untersuchung?

Aus ökonomischer Sicht störe ich mich manchmal an der engstirnigen Auslegung von technischen Analysten. Ihnen scheint das Hauptanliegen zu sein, einen Trend ausmachen zu können. Sie kümmern sich nicht um Indices und deren Inhalte, sondern betreiben grafischen Trend-Fetischismus. Meine Beobachtung möchte ich anhand des DAX erläutern. Der deutsche Aktienindex steht wieder bei 8’000 Punkten. Beispielhaft erwähne ich hier die Chartanalyse der UBS, die am 11. März 2013 veröffentlicht wurde. Die Rede ist vom “Abprallen” an der 8’000er Grenze, einem zu erwartenden “Rücksetzer” zur 7’872 Punkte-Unterstützung und vieles mehr. Mangelhaft daran ist, dass alles langfristig wirklich Relevante und Fundamentale ausgeklammert wird.

Deshalb will ich den Horizont ausweiten. Der DAX war schon einmal ähnlich hoch: erstmals am 7. März 2000, als der Indexstand mit 8’136 Punkten gemessen wurde. In den Wirren der eingestürzten Technologiehoffnungen sank er innert dreier Jahre auf 2’189 Punkte. Etwas mehr als vier Jahre später, am 13. Juli 2007 lag er bereits wieder auf 8’152 Punkten! Der darauffolgende Zusammenbruch von 56% in Euro und 61% in Franken sorgte am 9. März 2009 für ein Tief von 3’589 Punkten. Jeder Index hat gewisse Eigenheiten. So auch der DAX, bei dem die Dividenden nicht wie bei vielen Standardindizes herausgerechnet werden. Wer also in Deutschland im Jahr 1997 in den DAX bei 3’000 investiert hat, hätte bis März 2000 nur ein Kurshoch von 6’266 Punkten gesehen. Heute wären es noch rund 4’350 Punkte, also 30% weniger als vor 13 Jahren. In Schweizer Franken sähe dies noch schlimmer aus. Dem gehen die Chartisten allerdings nicht nach. Sie nehmen viele Vereinfachungen an und berichten dann selbstbewusst, dass – am Beispiel von Raimund Brichta: “Dax am Ziel angekommen” – eine Trendumkehr unabwendbar sei.

Wird Aktionärstreue belohnt?

Für mich ist noch eine ganz andere Frage interessant – nämlich, ob Aktionärstreue belohnt wird. Am 31. März 2000 war die Deutsche Telekom mit einer Marktkapitalisierung von 251,4 Mrd. Euro (damals 400,4 Mrd. CHF) der Leader im Index. Heute beträgt deren Marktbewertung gerade noch 36,2 Mrd. Euro: ein Minus von 86 % in Euro und von 89 % in Franken!

Selbst SAP als Flaggschiff der deutschen IT-Szene verlor seit März 2000 von einst 110,5 Mrd. Euro bis heute 78,5 Mrd. Euro deutlich an Wert. Siemens mit 109,5 Mrd. Euro im Jahr 2000 ist heute 73,3 Mrd. Euro wert. Allianz, einst 93,2 Mrd. Euro (2000), hat 67% verloren, die Commerzbank gar 95%. Die Deutsche Bank „nur“ 60%, ebenso Daimler-Chrysler, die trotz kolossaler Strategiefehler am Management festhält. Dafür ist der VW-Konzern mit einer Kapitalisierung von 76,4 Mrd. Euro heute deutlich mehr wert denn je, siebenmal höher als im Frühjahr 2000, Henkel, Fresenius und Linde etwa viermal so hoch.

Passives Investieren zahlt sich nicht aus

Das spricht für eine aktive Titelselektion. Gewisse Branchen und Unternehmen stehen unter anhaltendem Druck (Banken, Daimler usw.), andere wiederum sind für die Zukunft gerüstet (BASF, Bayer usw.). Wer in den Index investiert, nimmt beinahe gleichermassen an Gewinner- und Verlierer-Strategien teil. Das bringt langfristig wenig. Renditen kann man nicht sozusagen im Schlaf erzielen. Wer seriös investiert, muss wachsam sein und agil bleiben. Wer seine fundamentale Analyse ernsthaft wahrgenommen hat, wird auch zwischen Sektoren und Branchen eine gewisse Rotation vornehmen müssen und wollen. Der passive Investor landet bestenfalls im Mittelmass.

Noch eine Betrachtung geht aus der Fundamentalanalyse hervor: Der Buchwert aller deutschen Unternehmen betrug im Frühjahr 2000, als der DAX erstmals über 8’000 Punkte stieg, rund 2’700 Punkte. Beim zweiten Anstieg auf über 8’000 Punkte, lag der Buchwert bereits bei 4’500. Heute liegt er bei 5’800 Punkten, d.h. man erhält für einen Euro, der in eine DAX-Aktie investiert wird, deutlich mehr Substanz als in früheren Jahren. Umgekehrt geht damit einher, dass die Titel nicht über hohe Zukunftserwartungen verfügen. Das schützt Neueinsteiger zwar nicht vor unliebsamen Überraschungen, doch diese sollten nicht mehr einen Einbruch wie nach dem Frühjahr 2000 befürchten.

Haben Sie noch offene Fragen?

Kontaktieren Sie uns oder schauen Sie im Lüssihof vorbei. Wir beraten Sie gerne – individuell und massgeschneidert nach Ihren Bedürfnissen mit dem gewohnten Qualitätsversprechen der Zugerberg Finanz AG.

Ist Ihr Depot fit für das aktuelle Umfeld?

In unseren kostenlosen Vermögensanalysen sehen wir meist erheblichen Verbesserungsbedarf. Die strategische und taktische Asset Allokation entspricht nur selten dem Risikoprofil und den persönlichen Umständen des Anlegers. Im Vordergrund stehen hauseigene Produkte, eine starre Portfolioausrichtung – möglichst wenig Aufwand eben – wodurch nicht selten versteckte Risiken eingegangen werden. Zweifelhafte Entschädigungsmodelle (Stichwort Retrozessionen, doppelte Kostenstruktur) runden das ungenügende Angebot in vielen Fällen ab. Und erst recht ist die Titelwahl insbesondere im Obligationenbereich nicht auf das aktuelle Tiefzinsumfeld ausgerichtet.

Unsere Leistungen für Sie:

  • Analyse Ihrer Vermögenswerte
  • Offenlegung der positiven und negativen Befunde auf Titelebene
  • Kommentar zur strategischen und taktischen Asset Allokation
  • Verbesserungsvorschläge
  • Persönliche Besprechung

Wie melde ich mich an?

Stellen Sie uns einfach Ihre (möglichst aktuellen) Depotauszüge per Post, Fax oder E-Mail zu. Den Namen der Depotbank sowie Ihre Konto-/Depotnummer können Sie selbstverständlich abdecken. So ist für Sie die volle Diskretion gewährleistet.

Zurück zu News